Facebook-Chef: Nachrichtenauswahl wird nicht manipuliert

13. Mai 2016, 10:31
posten

Weil der Algorithmus bei Ferguson versagte, setzt das Netzwerk nunmehr auf ein Team aus Redakteuren

In den vergangenen Wochen ist Facebook in den USA unter heftige Kritik von politischer Seite gekommen. Nachdem ehemalige Mitarbeiter über die Praxis der Newsauswahl für die "Trending Topics" berichteten, kamen vor allem von konservativer Seite Manipulationsvorwürfe auf. Die "Trending Topics" sind aktuelle Nachrichten, die als nachgefragt und bedeutsam klassifiziert werden und vielen Usern in ihrem Stream angezeigt werden.

Bemängelt wurden schlechte Arbeitsbedingungen und willkürliche Vorgaben bei der Themenwahl mit einer Schlagseite gegen Themen aus dem konservativen bis rechten Spektrum. Vertreter der republikanischen Partei fordern seitdem lautstark Aufklärung. Aus den nunmehr veröffentlichten Richtlinien geht tatsächlich hervor, dass längst nicht nur Algorithmen über die Auswahl entscheiden.

Algorithmus übernimmt Vorsortierung

Ein guter Teil wird aber trotzdem automatisch abgewickelt. Es sind Faktoren wie die Interaktion der Nutzer, Aktualität sowie der Standort und die gelikten Seiten des jeweiligen Nutzers, die darüber mitbestimmen, was ihm als wichtige Nachricht angezeigt wird. Ein in Schichten arbeitendes Team aus Redakteuren nimmt allerdings Einfluss und kann unter anderem bestimmen, welche News aus der Auswahl fallen oder zusätzlich hinzukommen.

Ursprünglich hatte sich Facebook daran versucht, diesen Prozess ausschließlich einem Algorithmus anzuvertrauen. Doch als es in Ferguson vor zwei Jahren zu Unruhen infolge des Todes eines schwarzen Jugendlichen kam, sah sich das Netzwerk mit Vorwürfen konfrontiert, da nach dem Empfinden vieler Nutzer zu wenige Nachrichten über die Ereignisse ausgespielt wurden.

Manuelle Kontrolle

Mittlerweile liegt ein großer Teil der Kontrolle wieder in menschlicher Hand, fasst der Guardian zusammen. Die Redakteure können Themen per Blacklist bis zu einen Tag lang sperren. Die Begründung dafür, unter anderem "ist kein reales Ereignis", bleibt ihnen überlassen. Gleichzeitig können sie vom Algorithmus nicht aufgegriffene Nachrichten nachträglich einschleusen. Dies soll laut Vorgaben aber nur geschehen, wenn es sich um ein stark nachgefragtes Thema handelt.

Zehn wichtige Quellen

Im englischsprachigen Raum setzt Facebook auf zehn Quellen, über die man die Bedeutung einer Nachricht eruiert. Darunter finden sich unter anderem der Guardian, die New York Times, die BBC oder Yahoo News. Taucht eine Meldung auf mindestens fünf dieser Portale auf, qualifiziert sie sich als "National News" für prominente Platzierung. Der größte Teil dieser Quellen würde in den USA wohl dem linken bzw. gesellschaftlich liberalen Spektrum zugeordnet werden, während Fox News die einzige Nachrichtenanstalt ist, die vorwiegend konservatives Publikum bedient.

Darüber hinaus gibt es eine Sammlung von 1.000 "vertrauenswürdigen Quellen", also Medien, bei denen man davon ausgeht, dass Berichtetes grundsätzlich stimmt. Darin befinden sich auch einige bekannte konservative Plattformen wie Breitbart oder Redstate. Im Kern agiert Facebook selber wie ein traditionelles Newsmedium.

Facebook verteidigt Richtlinien

Andere ehemalige Mitarbeiter, die in diesem Bereich einst für Facebook tätig waren, weisen den Vorwurf der Parteilichkeit zurück. Sie erklären, menschliche Eingriffe seien nötig, weil der Algorithmus beim Zusammenstellen der Nachrichten oft daneben greife.

Auch Justin Osofsky, Vizegeschäftsführer bei Facebook, sieht das ähnlich. Die Richtlinien würden zeigen, dass es "eine Reihe von Checks" gäbe, um den wichtigsten Nachrichten zu Bekanntschaft zu verhelfen, egal in welchen Teil des ideologischen Spektrums sie fielen. Es sei den Mitarbeitern nicht erlaubt, Quellen aufgrund ihrer politischen Ausrichtung ungleich zu behandeln.

Zuckerberg: "Wollen jedem eine Stimme geben"

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat sich ebenfalls zu Wort gemeldet. Er erklärt, Facebook wolle "jedem eine Stimme geben". Man verstehe sich als globale Community, die sowohl Platz für Babyfotos als auch für die "intellektuelle Analyse politischer Ereignisse" böte. Die "rigorosen Richtlinien" verbieten eine Unterdrückung "politischer Perspektiven".

Man habe aufgrund der Vorwürfe eine umfassende Untersuchung begonnen und bislang keine Bestätigung gefunden, dass die Anschuldigungen wahr seien. Sollte man etwas finden, das gegen die eigenen Prinzipien verstoße, werde man aber "zusätzliche Maßnahmen" ergreifen.

In den kommen Wochen will sich Zuckerberg außerdem mit führenden konservativen Politikern und Vertretern anderer politischer Strömungen treffen, um über die Rolle von Facebook als Nachrichtenträger zu sprechen. (gpi, 13.05.2016)

  • Laut Facebook-Chef Mark Zuckerberg konnte man bei einer internen Untersuchung bislang keinen Hinweis auf absichtliche Manipulation finden.
    foto: reuters

    Laut Facebook-Chef Mark Zuckerberg konnte man bei einer internen Untersuchung bislang keinen Hinweis auf absichtliche Manipulation finden.

Share if you care.