Nissan Pulsar: Eine bescheidene Frohnatur

18. Mai 2016, 12:00
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Der Nissan Pulsar ist mit 190 PS kraftvoll unterwegs, aber überraschend unaufgeregt für seine Klasse

Wien – Schneidig ist anders. Nicht, dass im Nissan Pulsar nichts pulsiert oder weitergeht. Aber man fragt sich, wo die 190 PS versteckt sind, die der Golf-Rivale aus relativ wenig Hubraum herausholt. Egal, beim Fahren geht was weiter – ohne laut aufzudrehen, in extremen Spritverbrauch zu verfallen oder Komfort einzubüßen.

foto: andreas stockinger

Gut, sieben bis acht Liter auf hundert Kilometer sind jetzt nicht besonders sparsam, aber es gibt diesbezüglich schlimmere Klassenkameraden. Vermutlich ist das der Preis eines schnell rotierenden Neutronensterns. Und schnell rotiert der Pulsar tatsächlich, bleibt dabei aber erstaunlich leise. So kommt es, dass man auf der Autobahn mit der Höchstgeschwindigkeit ständig im höheren Drehzahlbereich unterwegs ist und es gar nicht merkt. Weil: Besagte 190 PS stehen erst jenseits der 3500 Touren bereit, dieses Auto ist also für Drehzahlorgler.

Richtung Komfort

So gesehen würde dem Benziner für die Langstrecke ein siebenter Gang sehr gut anstehen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Insgesamt ist das Fahrwerk eindeutig Richtung Komfort orientiert und stimmig, ohne dabei lasch oder weich zu wirken, das Getriebe knackig zu schalten und die Lenkung erfreulich direkt.

foto: andreas stockinger

Besonders sympathisch macht den Pulsar seine Unaufgeregtheit, man sitzt eine Spur höher und komfortabel. Aufs Aufmotzen haben die Japaner gänzlich verzichtet, außen wie innen regiert eine Art Schlichtheit, ohne dabei unsportlich zu wirken. Optik und Materialien harmonieren, serienmäßig ist bei dem von Nissan zur Verfügung gestellten Testmodell so ziemlich alles drin, was der mobile Mensch (angeblich) braucht. Für so gut wie jede Eventualität gibt's einen Assistenten: zum Spurhalten, bei Notbremsung, den toten Winkel. Alle schlagen eher früh an und irritierten anfangs mit Gepiepse. Ein Kamerasystem mit 360-Grad-Rundumsicht verschafft Überblick ohne Verrenkungen. Die Bedienung ist übersichtlich und vor allem intuitiv gestaltet, die Start-Stopp-Automatik lässt sich per Knopfdruck abstellen, was im Stau von Vorteil sein kann (der Starter dankt es auch). Ablagen sind ausreichend vorhanden, man sitzt höher und komfortabel.

foto: andreas stockinger

Stichwort Piepsen: Für das hinter dem Beifahrersitz kauernde Hündchen gibt's massig Platz, soviel hatten wir zuletzt in einem SUV. Dass sich die Pipsi trotzdem unter den Beifahrersitz zwängte, lag ausschließlich am Bedarf an Hundehütten-Feeling.

Waschmaschine und CD-Player

Beim Platzangebot demonstriert der Pulsar, was der Verzicht auf Schnickschnack und ein paar Zentimeter mehr in Länge und Radstand bringen: Die Insassen müssen sich auch auf den billigen Plätzen nicht zusammenklappen. Dabei wurde dafür nicht einmal der Kofferraum beschnitten. Sogar eine kleine Waschmaschine hatte Platz – aufrecht stehend, wohlgemerkt. Einzig der MP3-Player aus Japan vertrug sich aus unerfindlichen Gründen nicht mit dem Nissan. Aber es gibt einen CD-Player. (Luise Ungerboeck, 18.5.2016)

Nachlese:

Mazda3: Der bayerischste aller Japaner

Opel Astra: Wie aus dem Ei gepellt

Hyundai i30: Musterschüler in der Golf-Klasse

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Nissan

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • So sieht es aus, das pulsarende Leben: unspektakulär und emotionsreduziert, wie die Kundschaft die Autos der Golf-Klasse nun mal haben will. Sauber, adrett, zuverlässig – und in dem Fall mit 190 Benziner-Turbo-PS.
    foto: andreas stockinger

    So sieht es aus, das pulsarende Leben: unspektakulär und emotionsreduziert, wie die Kundschaft die Autos der Golf-Klasse nun mal haben will. Sauber, adrett, zuverlässig – und in dem Fall mit 190 Benziner-Turbo-PS.

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