Trend: Stifter, Philanthropen, Sozialunternehmer

3. Juni 2016, 09:41
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Impact Investing und Social Business sind die Zauberworte – es geht jetzt um Wirkungsorientierung. Aber wie passen Markt und Moral zusammen?

Social Business, also mit betriebswirtschaftlichem Modell gesellschaftliche, soziale und ökologische Innovationen in den Markt zu bringen, wird auch in Österreich zunehmend Thema. Hunderte solcher Unternehmen arbeiten bereits nachhaltig, auch der STANDARD hat gemeinsam mit den Partnern (Coca-Cola und Institut für Non-Profit-Management der Wirtschaftsuni Wien) nunmehr schon sieben Jahre mit "Ideen gegen Armut" solches Unternehmertum gefördert.

Gleichzeitig kommt Impact Investing, das gezielte und auf Rendite gerichtete Investieren in gemeinnützige Anliegen, in die Gänge. Geld in Marktmechanismen verdienen mit dem Guten: Darf das sein? Muss sich alles rechnen, was anderen, letztlich allen, nützt? Geld statt Herz oder Geld mit Herz? Und wo liegen die Gefahren?

foto: andy urban
Moderatorin Karin Bauer mit Sebastian Haselsteiner, Susanne Hillebrand, Petra Gregorits und Nikolaus Hutter im Wiener ManagementClub: Wie geht das, Gutes mit betriebs- und marktwirtschaftlichen Modellen zu bewirken? Und wo liegen die Gefahren und Grenzen?

Für den Finanzer Nikolaus Hutter, unter anderem im Investmentkomitee in Indien für die Ennovent GmbH (arbeitet global an der Allokation sozial und ökologisch wirksamer Investitionen und Ressourcen), geht es jetzt um nichts weniger als den kompletten Wandel der Finanzmärkte. Um die große Transformation der Asset-Manager des großen Geldes: "Ich bin der Überzeugung, dass es kein einziges gesellschaftliches Problem gibt, um das man kein Marktmodell bauen kann – ob das richtig ist, ist die Frage. Denn was von einem Gut zu einer Ware wird, wird in seiner Sache korrumpiert. Es gibt moralische Grenzen des Marktes, und genau dort hören Impact Investing und Social Business auf." Dennoch, wenn der große renditeorientierte Kapitalstock nicht erreicht werden könne, weg von der Dichotomie, auf der einen Seite Rendite zu machen und auf der anderen Seite Gutes zu tun (Philanthropie), dann sei die große Transformation nicht in Gang zu bringen. Dabei gehe es nicht bloß um Umverteilung, "das wäre ja lediglich ein Nullsummenspiel". Die künftige Legitimation von Unternehmen sei eben nicht mehr, nur Wohlstand zu schaffen, richtet er die Wahrnehmung auf eine Gesamtbilanz, die unter Effizienz nicht mehr nur versteht, wie viel Rendite und Wohlstand auf der einen Seite geschaffen werden, sondern eben auch Verbrauch und Zerstörung auf der anderen Seite mit einrechnet.

Mehr Gutes für weniger Geld?

Mit wie viel Renditeverzicht sei da zu rechnen? Hutter zitiert Untersuchungen, wonach Impact-Investing über alle Assetklassen vergleichbare Performance liefere. "Das ist ein Werttreiber, kein Kostenfaktor." Dieses Argumentarium müsse jetzt dem großen Anlagegeld geliefert werden.

Stifterin Susanne Hillebrand (Hil-Foundation, Mitglied der Sinnstifter und international im Empowerment von Kindern und Jugendlichen tätig, Partner von Ashoka) wählt die Finanzierungsart je nach Bedarf, mit Ashoka ist es Impact-Investing: "Wir können die Leute nicht aus der Armut hinausdonaten. Die Frage ist immer: Wo kann ein Businessmodell erfolgreich sein, wo nicht? Beim Menschenrechtsthema etwa sehe ich, es muss Förderungen geben." Das rechtliche Vehikel für solches jeweils angemessene Investieren sei nicht die zentrale Frage, sagt sie zu den rechtlichen Limits bezüglich Impact-Investing von gemeinnützigen Stiftungen. Zum teilweise schlechten Image der Stiftungen in Österreich – Privatstiftungen tragen in Österreich nur rund 25 Millionen Euro zum sogenannten dritten Sektor, zu sozialen Verbesserungen bei, in Deutschland fließt das Fünfzigfache aus Stiftungen in den Gemeinnutzen – sagt sie: "Wie können wir uns gemeinsam aufstellen und etwas bewirken? Was entsteht aus dem Zusammenwirken der unterschiedlichsten Kräfte?" Der Auftrag laute, Erfolgsbeispiele in die Welt zu tragen.

Herzensanliegen

Für Sebastian Haselsteiner ein "Herzensanliegen". Reicht die soziale Rendite? Es müsse sich nicht immer rechnen, "auch wenn keiner von uns gerne Geld verbrennt", sagt er, der als Architekt eigenes Geld und auch Mittel der Familienstiftung in soziale Start-ups (Generationencafé Vollpension, Gebrüder Stitch) investiert. Bewusstseinsbildung ist für ihn einer der wichtigsten Impulse. Hinausgehen und möglichst viele dafür interessieren, "was wir hier machen", lautet sein Appell im Verband Gemeinnütziger Stiftungen.

"Wann, wenn nicht jetzt?", so Unternehmerin und Gemeinnützigkeitsexpertin Petra Gregorits. Das neue Gemeinnützigkeitspaket gilt hier als guter, aber nur erster Schritt. (red, 4.6.2016)

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