Militärkommandant der Hisbollah in Syrien getötet

13. Mai 2016, 19:16
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Mustafa Badreddin soll in Hariri-Attentat verwickelt gewesen sein

Beirut – Der oberste Militärchef der libanesischen Hisbollah-Miliz ist in Syrien getötet worden. Mustafa Badreddin sei bei einer "großen Explosion" in der Nähe des Flughafens von Damaskus ums Leben gekommen, erklärte die schiitische Miliz, die mit tausenden Kämpfern den syrischen Machthaber Bashar al-Assad unterstützt.

Badreddin wurde unter anderem für das Attentat auf den ehemaligen libanesischen Regierungschef Rafik Hariri 2005 verantwortlich gemacht.

Die Explosion habe einen Posten der Hisbollah in Flughafennähe getroffen, teilte die Hisbollah am Freitag mit. Mehrere Menschen seien verletzt worden. Laut der Hisbollah-nahen Zeitung "Al-Achbar" wurde Badreddin am Donnerstagabend getötet.

Entgegen ihrer Gewohnheit machte die Miliz zunächst niemanden für die Explosion verantwortlich. Es müsse noch geklärt werden, ob sie durch einen Luftangriff, eine Rakete oder Artilleriefeuer verursacht worden sei, hieß es. Normalerweise zeigt die mit dem Iran verbündete Schiitenmiliz nach Anschlägen auf seine Anführer umgehend mit dem Finger auf Israel. Dies war auch 2008 der Fall, als Badreddins Vorgänger Imad Mughnijeh in Damaskus getötet wurde.

Der stellvertretende Hisbollah-Kommandeur Scheich Naim Kassem sagte bei der Trauerfeier für Badreddin in einem Vorort von Beirut, es gebe "klare Hinweise" auf die Drahtzieher und den Ablauf der Explosion, die Hisbollah sei aber noch nicht hundertprozentig sicher.

Ein Sprecher der US-Armee sagte in Bagdad, die USA seien nicht an dem Angriff beteiligt gewesen.

Der etwa 55 Jahre alte Badreddin war in der Hisbollah zuständig für Syrien, wo seit fünf Jahren ein Bürgerkrieg zwischen Staatsführung, Rebellen und Jihadisten herrscht. In einer ersten kurzen Mitteilung der Miliz hieß es, Badreddin habe vor einigen Monaten gesagt, dass er nicht aus Syrien zurückkommen werde, "außer als Märtyrer oder mit der Siegesfahne". "Heute ist er als Märtyrer zurückgekommen", erklärte die Hisbollah-Miliz.

Das US-Finanzministerium verhängte im Juli 2015 wegen "aktiver Unterstützung des Assad-Regimes und terroristischer Aktionen der Hisbollah" Sanktionen gegen Badreddin. Demnach begleitete er Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah im September 2011 nach Damaskus, um mit Syriens Staatschef Assad über eine "strategische Zusammenarbeit" zu beraten. Nach der Niederschlagung von Protesten gegen die Staatsführung versank das Land im Bürgerkrieg. US-Angaben zufolge koordinierte Badreddin seit 2012 die militärischen Aktivitäten der Hisbollah in Syrien.

Badreddin war eines von fünf Hisbollah-Mitgliedern, die für den Tod des ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten Hariri verantwortlich gemacht werden. Bei dem Bombenattentat am 14. Februar 2005 in Beirut waren außer dem antisyrischen Politiker 22 weitere Menschen ums Leben gekommen.

Die Opposition machte das Nachbarland Syrien für den Anschlag verantwortlich. Nach wochenlangen Massenkundgebungen zog die syrische Regierung ihre seit Jahrzehnten im Libanon stationierten Truppen schließlich ab.

Das zur Aufklärung des Anschlags eingerichtete UN-Sondertribunal bezeichnete Badreddin als "Kopf" des Attentats und erließ Haftbefehl gegen ihn und vier weitere Hisbollah-Mitglieder. Die Miliz verweigerte die Auslieferung der Verdächtigen. (APA, 13.5.2016)

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