Nicht lehrbuchgemäß: Ein Eukaryot ohne Mitochondrien

13. Mai 2016, 11:11
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Forscher finden bei Analysen des Einzellers Monocercomonoides keinerlei Anzeichen für die vermeintlich überlebenswichtigen Zellkraftwerke

Prag/Wien – Mitochondrien gewährleisten die Energieversorgung von Zellen. Man findet sie als Organellen, also als Quasi-Organe im Miniaturformat, im Zellinneren aller Tiere, Pflanzen und Pilze sowie verschiedener Gruppen einzelliger Eukaryoten – nicht aber in zellkernlosen Organismen wie Bakterien und Archaeen.

Nun berichtet ein tschechisch-kanadisches Forscherteam in "Current Biology" von einem Organismus, der aus der Reihe tanzt: Monocercomonoides besteht zwar nur aus einer Zelle, aber die hat einen Zellkern. Damit ist der in sauerstoffarmen Umgebungen lebende Winzling ein Eukaryot, gehört also demselben Zweig des Lebens an wie alle vielzelligen Organismen. Trotzdem fand sich bei DNA-Analysen des Einzellers keinerlei Spur von mitochondrialen Eiweißen.

Bestätigte und neue Vermutungen

Monocercomonoides gehört zur Gruppe der Metamonada und ist damit unter anderem mit dem Parasiten Trichomonas vaginalis verwandt, der eine Geschlechtskrankheit auslöst. Bei den Metamonada wird schon länger vermutet, dass sie ihre Mitochondrien im Verlauf der Evolution zurückentwickelt oder vielleicht sogar ganz verloren haben. Die Untersuchungen an Monocercomonoides, die von dem Team um Anna Karnkowska und Vladimir Hampl durchgeführt wurden, können die mitochondrienlose Lebensweise nun erstmals zweifelsfrei bestätigen.

Weitere Studien sollen klären, wie und nicht zuletzt wann diese Organismen es zuwege gebracht haben, auf die vermeintlich überlebensnotwendigen Zellkraftwerke zu verzichten – das würde wichtige Einblicke in die Evolutionsgeschichte geben. Karnkowska glaubt nach ihrer Entdeckung zudem, dass es noch viel mehr gänzlich mitochondrienlose Eukaryoten geben könnte. (red, 13. 5. 2016)

  • Einzeller der Gattung Monocercomonoides scheinen traditionellen biologischen Schemata zu widersprechen.
    foto: naoji yubuki

    Einzeller der Gattung Monocercomonoides scheinen traditionellen biologischen Schemata zu widersprechen.

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