Die Oberste Direktive: Brauchen wir Schutzgesetze für Leben auf fremden Planeten?

16. Mai 2016, 17:30
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Die spontane Antwort wäre Ja – doch die Thematik ist moralisch komplexer, als man glauben mag, wie der Philosoph und Biologe Kelly C. Smith darlegt

foto: reuters/nasa
Der Nasa-Rover Curiosity sucht auf dem Mars unter anderem nach Spuren von früherem Leben. Er wird nicht der letzte Marsbesucher sein, der den Boden des Roten Planeten nach Mikroorganismen umgräbt. Aber was tun, wenn sie gefunden werden?

Wer Star Trek kennt, weiß auch, was es mit der Obersten Direktive auf sich hat: Es ist das eiserne Gesetz der Sternenflotte, das den Kontakt mit außerirdischen Lebensformen regelt. Vereinfacht gesagt lautet sie: Jedwede Einmischung in exterrestrische Angelegenheiten insbesondere bei nicht-raumfahrenden Spezies ist strikt untersagt. So oft dieses strenge Gebot in der Serie erwähnt wird, genauso oft wird es von Captain Kirk und Konsorten auch gebrochen.

Der Grund dafür liegt in dem Gesetz selbst begründet, denn für eine so komplexe Situation wie eine Kontaktaufnahme mit ET lässt sich unmöglich eine so allgemein gültige Regel aufstellen, ohne permanent in moralische Konflikte zu geraten. Deshalb sind Sterneflottenmitglieder wiederholt in der unangenehmen Situation, zwischen zwei gleichermaßen schlechten Optionen zu wählen. Sollen sie einer von einer globalen Seuche bedrohten Rasse beistehen oder der Obersten Direktive folgen und zusehen, wie sie ausstirbt?

Noch stecken unsere heutigen Raumfahrer nicht in dieser Zwickmühle – sollte man meinen. Tatsächlich aber könnte der Tag nicht mehr fern sein, wo Roboter oder Astronauten beispielsweise auf dem Mars auf mikrobielles Leben stoßen. Die Nasa-Chef-Wissenschafterin Ellen Stofan selbst rechnet auf Basis bisheriger Ergebnisse damit, dass in spätestens 20 Jahren stichhaltige Beweise für die Existenz von außerirdischem Leben vorliegen werden.

Schutzgesetze für Marsmikroben?

Wie sollten wir also damit umgehen? Brauchen wir für diesen Fall ebenfalls eine Art Oberste Direktive? Mit diesen Fragen hat sich bereits der berühmte US-Astrophysiker Carl Sagan beschäftigt. In seiner preisgekrönten Serie "Cosmos: A Personal Voyage" meinte er 1980: "Sollte es Leben auf dem Mars geben, so müssen wir den Planeten in Ruhe lassen. Der Mars gehört allein den Marsbewohnern – selbst wenn es sich bei ihnen nur um Mikroben handelt."

Chris McKay, einer der führenden Mars-Experten der Nasa, geht sogar noch einen Schritt weiter, indem er es als unsere Pflicht ansieht, für das Überleben und Gedeihen von marsianischen Organismen zu sorgen: "Lebensformen auf dem Mars haben Rechte. Sie haben vor allem das Recht auf das eigene Überleben, selbst wenn ihre Auslöschung dem Wohl der Erdbewohner dienen würde. Dieses Recht verpflichtet uns dazu, dafür zu sorgen, dass sie florieren und sich auf dem Mars weiter ausbreiten können".

Moralische Streitfragen

Viele halten diesen Standpunkt für moralisch richtig, ja, sie sehen in ihm sogar den einzig richtigen Weg. Andere Experten beurteilen das Thema dagegen etwas differenzierter. Was beispielsweise wäre, wenn in ferner Zukunft Eingriffe auf dem Mars für das Überleben der Menschheit von entscheidender Bedeutung sind? Wiegt die moralische Verpflichtung der Erdbevölkerung gegenüber schwerer, als der Schutz einer mikrobiellen Lebensform? Es sind im Grunde die selben Probleme, mit denen sich die Enterprise-Besatzung fortdauernd konfrontiert sieht – und da wie dort gibt es (noch) keine Patentlösung.

Der Philosoph und Biologe Kelly C. Smith von der Clemson University in South Carolina hat sich im Internetmagazin "The Conversation" eingehend mit diesem verzwickten Problem auseinandergesetzt. Für ihn ist es höchste Zeit, für den Ernstfall die richtigen Prinzipien zu formulieren, und zwar bevor die Umstände jegliche Diskussion darüber irrelevant werden lassen.

--> The Conversation: "Do No Harm To Life On Mars? Ethical Limits Of The ‘Prime Directive'".

(red, 16.5.2016)

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