Wien: Grüner Protest gegen Turm am Heumarkt

13. Mai 2016, 05:30
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Die Basis der Wiener Grünen will den Bau eines Wohnturms am Heumarkt verhindern – trotz einer kolportierten Zusage an den Bürgermeister

Wien – Der geplante Luxuswohnturm mit 73 Meter Höhe, der in unmittelbarer Nähe des Wiener Stadtparks zwischen Eislaufverein und Hotel Intercontinental errichtet werden soll, sorgt für Turbulenzen innerhalb der Wiener Grünen. Immer mehr Funktionäre der Grünen sprechen sich gegen das geplante Bauprojekt aus.

Mittlerweile liegen Anträge der Bezirksgruppen Innere Stadt und Wien-Landstraße an die Landesversammlung der Wiener Grünen vor, die in einen dringenden Appell an Landeschefin und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou münden, dieses Bauprojekt unter allen Umständen zu verhindern. Das Pikante daran: Vassilakou soll der SPÖ und Wiens Bürgermeister Michael Häupl bereits zugesagt haben, dass der Wohnturm des Investors Michael Tojner errichtet werden kann. Vassilakou sagt zum Standard: "Es gibt keine Zusage. Meine Aufgabe ist es, das Verfahren korrekt durchzuführen. Das Ergebnis ist offen." Sie sagt allerdings auch dazu, dass sie die Skepsis nicht nur nachvollziehen, sondern auch teilen könne.

Flächenwidmung im Sommer

Entsprechende Baupläne liegen bereits vor, die Flächenwidmung sollte im Sommer beschlossen werden. Insider berichten, dass es in kleinem Kreis bereits Gespräche zwischen der SPÖ und den Grünen gegeben habe, in denen das Projekt fixiert worden sei.

Vassilakou gerät jetzt unter Druck der eigenen Mannschaft, das umstrittene Projekt wieder abzusagen. Sie selbst spricht von einem "hochsensiblen Standort", viele Fragen seien noch offen.

Alexander Hirschenhauser, Bezirkschef der Grünen in der City, sagt: "Die Grünen müssen klar beweisen, dass sie für eine saubere Politik stehen und auch dem Druck eines Investors mit 600 Millionen Euro in der Hand widerstehen. Dieser Widerstand wird in der grünen Bewegung sehr breit unterstützt."

Das Projekt ist insbesondere von großer Bedeutung für die gesamte Innenstadt, da es dazu führen könnte, die Aufnahme der Innenstadt als Unesco-Weltkulturerbe wieder zu kippen. Damit würde es möglich, weitere Hochhäuser in der City zu errichten.

"Grüne Notbremse"

Auch der Kultursprecher Grünen im Parlament, Wolfgang Zinggl, ist strikt gegen den Hochhausbau am Heumarkt: "Wir Grüne müssen ein städtebauliches Exempel statuieren. Wer außer den Spekulanten braucht einen Spekulantenturm? Wer lässt den Investoren freien Lauf?", empört sich Zinggl. "Spätestens jetzt müssen wir die grüne Notbremse ziehen." Von Vassilakou fordert er: "Es muss uns gelingen, die Qualität der Stadt vor dem Druck finanzkräftiger Macher zu bewahren. Danach werden der Stadträtin alle auf die Schulter klopfen und es ist für einige Zeit Ruhe."

Massiver Eingriff

Die Diskussion über den Luxusturm sorgt bereits seit zwei Jahren für heftige Diskussionen. Das Projekt der Firma Wertinvest hat bei Anrainern, vor allem aber auch bei Architekten zu Protesten geführt. Das Projekt würde zu einem massiven Eingriff in die dortige Fläche führen. Der Eislaufplatz soll gedreht werden, auf der Rückseite Richtung Heumarkt müsste die Straße verlegt werden. Die geplante Flächenwidmung würde die Aufstockung des Hotels Intercontinental und einen 73 m hohen Luxuswohnturm ermöglichen. Das weithin sichtbare Hochhaus wäre kaum Wahrzeichen für soziale oder ökonomische Nachhaltigkeit, sagen die Kritiker, die auch auf die mangelnde Rücksichtnahme auf den Status Weltkulturerbe im historischen Stadtzentrum verweisen. (Michael Völker, 13.5.2016)

  • Der "Heumarkt Hochhausbau": 73 Meter hoch soll der Turm mit Luxusappartements zwischen Hotel Intercontinental und dem Wiener  Eislaufverein werden – mit Blick auf den Stadtpark. Der Platz neben dem Konzerthaus würde neu gestaltet, die Straße dahinter versetzt werden.
    isayweinfeld

    Der "Heumarkt Hochhausbau": 73 Meter hoch soll der Turm mit Luxusappartements zwischen Hotel Intercontinental und dem Wiener Eislaufverein werden – mit Blick auf den Stadtpark. Der Platz neben dem Konzerthaus würde neu gestaltet, die Straße dahinter versetzt werden.

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