Der Anruf kam während "Game of Thrones"

12. Mai 2016, 17:10
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Die Versetzung von Daniil Kwjat zu Toro Rosso war für den Russen "ein Schock" – Der Anruf von Marko erreichte ihn auf dem Sofa

Barcelona – Vor dem Großen Preis von Spanien beschäftigen die möglichen Nachwehen der Red-Bull-Rochade um Daniil Kwjat und Max Verstappen das Formel-1-Paddock in Barcelona. Am Donnerstagnachmittag treten die beiden erstmals nach dem von oben verordneten und umstrittenen Cockpit-Tausch gemeinsam vor die Presse.

Der 19-jährige Verstappen wird am Sonntag sein Renndebüt im Red Bull feiern, nachdem er in der vergangenen Woche vom B-Team Toro Rosso aufgerückt ist. Kwjat ging den umgekehrten Weg: Der Russe wurde nach ungestümen Attacken gegen Sebastian Vettel während der Startphase des Sotschi-Rennens seines Red-Bull-Fixplatzes enthoben und gibt damit in Barcelona sein Comeback beim Toro-Rosso-Rennstall, bei dem er 2014 seine Karriere begonnen hatte.

Verstappen kann es kaum erwarten

"Ich bin begeistert über die Möglichkeit, für Red Bull Racing zu fahren und kann es kaum erwarten, in Barcelona ins Auto zu steigen", sagte Verstappen im Vorfeld. "Zum Glück ist es eine Strecke, die ich gut kenne, weil wir hier so viel getestet haben." Der Niederländer gilt weithin als das größte Talent in der Motorsport-Königsklasse. Zuletzt war über das Interesse von Ferrari an dem "Wunderkind" spekuliert worden.

Bei Toro Rosso freute sich Teamchef Franz Tost über die Rückkehr von Kwjat, der heuer bereits einen Podestplatz vorzuweisen hat. In Shanghai wurde er Dritter. "Wir sind mehr als glücklich, Daniil wieder in Faenza begrüßen zu dürfen und blicken einer erfolgreichen Saison mit ihm entgegen", erklärte der Tiroler.

Vor der Red-Bull-Aktion am Donnerstag vor einer Woche hatte auch Bernie Ecclestone Kwjat noch gelobt. "Ich bin sehr glücklich, wie die Dinge mit Daniil laufen, er macht einen guten Job. Heuer wird er zwar nicht Weltmeister werden, aber ich sehe keinen Grund, warum er das nicht eines Tages werden kann", meinte der Formel-1-Chefvermarkter am Rande des Grand Prix von Russland. Nun sprechen die meisten Kommentatoren von einer Degradierung und "Strafversetzung" des 22-Jährigen.

"Ein bisschen ein Schock"

Kwjat hat seine Unzufriedenheit in Barcelona klar zum Ausdruck gebracht. "Die Entscheidung war ein bisschen ein Schock", sagte der Russe, der daraus aber viel gelernt haben will. "Es hat mich sehr stark gemacht", betonte Kwjat. Nun will er sich ganz für sein neues, altes Team einsetzen. "Für mich ändert sich nichts."

Eine echte Erklärung der Red-Bull-Verantwortlichen habe es nicht gegeben. "Wenn die Bosse es so wollen, machen sie es", sagte Kwjat und verriet, in welcher Situation ihn der folgenschwere Anruf von Helmut Marko ereilt hat. "Ich war in Moskau, bin auf dem Sofa gelegen und eine TV-Serie angeschaut. Dann kam der Anruf, wir haben etwa 20 Minuten geredet. Danach bin ich zurück zum Sofa und habe meine Serie zu Ende geschaut", erzählte der 22-Jährige. Konkret habe es sich dabei um eine Folge von "Game of Thrones" gehandelt.

Dass er zu früh zu Red Bull gekommen und mit dem Druck nicht zurecht gekommen sei, verneinte er. "Ich bin sieben Jahre Teil von Red Bull gewesen. Andere haben auch Druck gehabt." Kjwat unterstrich, alles für das Team gegeben zu haben. Seit dem Großen Preis von China, wo er auf Platz drei gelandet war, habe er gespürt, dass er gut unterwegs sei. "Dann haben die Bosse diese Entscheidung getroffen, die ich akzeptieren muss. Jetzt werde ich das Beste für Toro Rosso geben. Von meiner Seite ändert sich nichts."

Kein Groll

Gegen Max Verstappen hege er keinen Groll. Die beiden hätten vor der Pressekonferenz im Fahrerlager schon einmal kurz miteinander gesprochen. "Es gibt nicht viel zu sagen. Wir müssen jetzt beide hart arbeiten, die Sache ist ziemlich klar." Böses Blut gibt es offenbar nicht. "Wir haben uns immer respektiert. Wir haben gerade vorher noch darüber geredet, wann wir gemeinsam Go-Kart-Fahren gehen."

Kwjat sagte, er wolle sich nicht mit negativen Gedanken aufhalten, sondern die positiven Momente sehen. So freue er sich auf die kommenden Aufgaben bei Toro Rosso. "Für mich ist es eine Rückkehr. Ich kenne das Team gut und mag die Leute wirklich. Ich kann fühlen, dass die Atmosphäre sehr gut ist. Wir wollen pushen und ans absolute Limit gehen. Es liegen noch 17 Rennen vor uns."

Verstappen gab sich betont gelassen und ebenfalls motiviert. "Das Wichtigste ist, in die Punkte zu kommen. Ich denke nicht, dass es einen zusätzlichen Druck gibt, aber natürlich werde ich versuchen, mein Bestes zu erreichen", sagte der Niederländer. Schon in Barcelona erbt Verstappen übrigens die Reifen, die Red Bull für Kwjat ausgewählt hatte. "Aber nicht die Punkte. Meine Punkte behalte ich", scherzte dieser am Ende. (APA, 12.5.2016)

  • Daniil Kwjat: "Ich war in Moskau, bin auf dem Sofa gelegen und habe eine TV-Serie angeschaut. Dann kam der Anruf, wir haben etwa 20 Minuten geredet. Danach bin ich zurück zum Sofa und habe meine Serie zu Ende geschaut".
    foto: apa/gene

    Daniil Kwjat: "Ich war in Moskau, bin auf dem Sofa gelegen und habe eine TV-Serie angeschaut. Dann kam der Anruf, wir haben etwa 20 Minuten geredet. Danach bin ich zurück zum Sofa und habe meine Serie zu Ende geschaut".

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