US-Rechtsstreit: Journalisten gegen Ferguson

12. Mai 2016, 16:54
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Ordnungshüter haben sich in einer Vereinbarung mit vier der Betroffenen zu Änderungen im Umgang mit Medienvertretern verpflichtet

New York/Ferguson – Knapp zwei Jahre ist es her, dass Polizisten in Ferguson Journalisten festnahmen, die über die Proteste afroamerikanischer Bewohner der Kleinstadt in Missouri berichteten. Nun haben sich die Ordnungshüter in einer Vereinbarung mit vier der Betroffenen zu Änderungen im Umgang mit Medienvertretern verpflichtet.

Michael Brown

Im August 2014, als die tödlichen Schüsse eines weißen Polizisten auf den schwarzen Teenager Michael Brown eine Welle heftiger Unruhen in Ferguson auslösten, waren Reporter reihenweise in Handschellen abgeführt und ins nächste Gefängnis gebracht worden. Vier von ihnen hatten später gegen das Vorgehen der Beamten geklagt: Ryan Devereaux vom investigativen Online-Magazin "The Intercept", Ansgar Graw, US-Korrespondent der "Welt", Lukas Hermsmeier, freier Journalist, und Frank Herrmann, der für unsere Zeitung aus den Vereinigten Staaten berichtet. Nach einem Rechtsstreit, der sich über 14 Monate hinzog, haben sich beide Seiten am Dienstag geeinigt.

Bestimmungen der Vereinbarung

Die Bestimmungen der Vereinbarung sind vertraulich, daher kann nicht im Detail aufgelistet werden, was sich in Ferguson ändert, damit die Presse auch in gespannter Lage ihrer Arbeit nachgehen kann. Der Landkreis St. Louis County, dem die Polizei der 21000-Einwohner-Stadt untersteht, werde entsprechende Korrekturen einleiten, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Kreisverwaltung und der New Yorker Anwaltskanzlei Squire Patton Boggs (SPB), die das Reporter-Quartett vertreten hat. Man erkenne an, dass die Journalisten mit ihrer Klage Reformen anstrebten, die sowohl für das Police Department als auch für die Bürger, denen es diene, von Nutzen seien. Die beiden SPB-Juristen Corrine Irish und Steven Friedman, fügte die Kanzlei in einer gesonderten Erklärung hinzu, hätten sich des Falls angenommen, um die Polizei in Zukunft daran zu hindern, Journalisten auf rechtswidrige Weise ihrer Arbeitsmöglichkeiten zu berauben, wenn diese über Einsätze von Polizisten berichten.

Gummihartkugeln und Gewahrsam

Devereaux und Hermsmeier wurden mit Gummihartkugeln beschossen, obwohl sie sich als Reporter zu erkennen gegeben hatten. Graw und Herrmann wurden in Gewahrsam genommen, als sie am helllichten Tag – nach schweren Ausschreitungen in der Nacht war vorübergehend Ruhe eingekehrt – auf eine ausgebrannte Tankstelle an der Hauptstraße Fergusons zuliefen, beobachtet von etwa einem Dutzend Polizisten. Einer rief den beiden in knappem Befehlston zu, nicht stehen zu bleiben. Auf die Frage nach den Gründen wiederholte er nur stur seine Order, während ein freundlicherer Kollege erklärte, dass man keine Menschenansammlungen wolle. Unmittelbar darauf wurden beide abgeführt, die Hände auf dem Rücken gefesselt mit Kabelbindern, die tief in die Gelenke einschnitten und noch lange ein taubes Gefühl in den Händen hinterließen. (red, 12.5.2016)

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