Wiener Familienbetrieb erleuchtet China

17. Mai 2016, 09:00
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Leuchtenhersteller Kolarz stattet in Schanghai das zweithöchste Gebäude der Welt aus. Der Auftrag bringt es auf einiges Gewicht

Wien/Schanghai – Der Shanghai Tower spielt alle Stücke. Der vom amerikanischen Architekturbüro Gensler entworfene Wolkenkratzer steht mitten im Finanzzentrum der chinesischen Megametropole. Gebaut wurde das mit 632 Metern zweithöchste Gebäude der Welt in acht Jahren.

Spektakulär ist nicht nur seine Höhe, sondern auch das Tempo der Aufzüge. Die High-Speed-Lifte rasen mit einer Geschwindigkeit von 18 Metern pro Sekunde die 121 Stockwerke hinauf und hinab. Wurde in Sachen Höhe nach dem Burj Khalifa in Dubai nur der zweite Platz belegt, schafft der Lift vermutlich den Weltrekord.

Fast unscheinbar macht sich da auf der Grünfläche vor dem spektakulären Gebäude die Johann-Strauß-Statue aus. Der Aufputz ist ein Mitbringsel aus Wien. Martin Wögerbauer, einer der Geschäftsführer des Beleuchtungsherstellers Kolarz, hat dem berühmten Wiener einen Platz in China gesichert – neben einem Großauftrag für seine Firma.

Drei Millionen Euro

Der österreichische Familienbetrieb mit 160 Mitarbeitern schnitt sich mit einem Auftragsvolumen von rund drei Millionen Euro ein wesentliches Stück von den Gesamtbaukosten von zwei Milliarden Euro ab. Der Auftrag umfasst immerhin ein Zehntel des Gesamtumsatzes von Kolarz.

Nicht nur den Ballsaal haben die Wiener ausgestattet. Die Flächendimensionen der beleuchteten Räume sind insgesamt so groß wie ein Fußballfeld: Rund 5.000 Quadratmeter – neben dem Ballsaal der Multifunktions- und VIP-Raum – erstrahlen in Licht aus Österreich. Und wer während der rasanten Liftfahrt noch Zeit hat, es zu bemerken: Auch an den Aufzugsanlagen wurden Beleuchtungskomponenten installiert.

Acht Tonnen schwere Luster

Die Beleuchtung im Ballsaal bringt es auf einiges an Gewicht: 14 Deckenleuchten, behangen mit 25.000 rund zwei Meter langen Muranoglasstäben, erleuchten den Saal. Jeder dieser Riesenluster ist im Durchmesser fünf Meter lang und wiegt acht Tonnen.

Ein Grund, warum die Wiener punkten konnten. "Sicherheit war ein ganz großes Thema bei der Ausschreibung", sagt Martin Wögerbauer. Das in Breitenbrunn ansässige Unternehmen hat sich auf Anraten eines chinesischen Partners beteiligt.

Die Herausforderungen lagen laut dem studierten Betriebswirt Wögerbauer weniger in der Umsetzung eines Projektes in China – dafür hatte man den Partner und schon einige Erfahrungen im Land – als vielmehr in der Komplexität der Sache selbst. Das Material etwa, das für die 32 Hängeleuchten des größten Multifunktionsraumes des Turmes ausgewählt wurde, ist mit Chrom-Fiberglas nicht ganz alltäglich.

Rund um die Uhr

Auch die Produktion war eine Größenordnung für sich. Bei den Tochterfirmen in Norditalien, die unter anderem für das Glas und die Galvanik zuständig sind, und in der Produktionshalle in Müllendorf bei Eisenstadt wurde ein halbes Jahr praktisch rund um die Uhr gewerkt.

Wögerbauer führt mit seinem Bruder Stefan das Unternehmen in vierter Generation. Für die Ideenfindung ist neben den Firmenchefs auch eine ganze Riege von Designern im Einsatz.

Auf China halten die Wögerbauers derzeit große Stücke. Die Hoffnung liege darin, dass dort an Geschäft gemacht werden könne, was in Russland zuletzt dahinschmolz. Chancen rechnet sich Kolarz etwa ein zweites Mal im Tower selbst aus. Im oberen Drittel ist auch ein Hotel geplant. Beworben hat man sich bereits. (Regina Bruckner, 17.5.2016)

  • Der Shanghai Tower ist mit 632 Metern das zweithöchste Gebäude der Welt.
    foto: kolarz gmbh

    Der Shanghai Tower ist mit 632 Metern das zweithöchste Gebäude der Welt.

  • Mächtig ist nicht nur das Gebäude. Auch die Beleuchtungskörper halten im Shanghai Tower mit der Gesamtarchitektur mit.
    foto: kolarz gmbh

    Mächtig ist nicht nur das Gebäude. Auch die Beleuchtungskörper halten im Shanghai Tower mit der Gesamtarchitektur mit.

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