Album der Woche: Chris Isaak – "First Comes The Night"

13. Mai 2016, 10:51
6 Postings

Der US-Experte für Schmachten und Schmalz veröffentlicht nach längerer Pause ein neues Album

Chris Isaak tauchte das letzte Mal auf dem persönlichen Radarschirm auf, weil irgendwas mit Weihnachtsliedern oder seiner endgültigen Elvis-Werdung für Touren durch die US-Provinz war. Die große Zeit der ewigen Hoffnung im Grenzbereich von Rockabilly, Schmacht- und Einbratballade und den großen Fixsternen Roy Orbison und eben Elvis war irgendwann vor einem Vierteljahrhundert. Seine Best-of-CD datiert aus dem Jahr 2006, darauf zu hören ewige Perlen des melancholischen Autofahrens oder einsam in sein Mixgetränk Weinens wie Dancin’, Blue Hotel, Two Hearts, Wicked Game.

dc studio

Klar machte Chris Isaak aber mit seiner Band Silvertone weiter. Bloß hatten sich die Parameter von der Hollywood Bowl Richtung Mehrzweckhalle Moscow, Idaho verschoben. Eine normale Entwicklung im schnelllebigen Musikgeschäft. Die Mühen der Ebenen, davor hat einen natürlich während der Zeit der Gipfelsiege niemand gewarnt.

Den Mond anheulen

Mit der neuen Songsammlung First Comes The Night veröffentlicht Singer und Songwriter Chris Isaak das erste eigene Material nach sechsjähriger Schaffenspause. Aufgenommen in Nashville und Los Angeles, beschwört der Mann mit der eingeschlagenen Boxernase und dem treuherzigen Hundeblick einmal mehr die glorreiche Gründerzeit des Rock ’n’ Roll. Die Gitarren twangen und dengeln auch recht hübsch bei klassischen Countrysongs, bei denen im Gegensatz zu trunksüchtigeren Originalen aber immer darauf geachtet wird, dass das Hemd frisch gebügelt ist und die Frisur nicht verrutscht. In Titeln wie Kiss Me Like A Stranger und dem großartigen Some Days Are Harder Than The Rest werden naturgemäß der Mond und Roy Orbison angeheult. Gerockt wird altersentsprechend bedächtig. Man ist eher auf Langzeitwirkung als auf die Zwischenzeitweltmeisterschaft bedacht. Im Grunde gilt aber wie eh und je das in den späten 1980er-Jahren etablierte musikalische Reinheitsgebot des Chris Isaak: Schmachten und Schmalz, Gott erhalt’s! Zu dieser etwas verspätet entdeckten CD kann man definitiv melancholisch Auto fahren und in Mixgetränke weinen. Noch irgendwelche Fragen? (schach, Rono, 13.5.2016)

Chris Isaak – First Comes The Night (Rhino)

Share if you care.