"Gregorius": Von Fehlern, Buße, Rettung

12. Mai 2016, 13:24
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Rolf Boysen las den ödipalen Buße-Erkenntnis-Klassiker 1998 für den NDR ein

Was soll uns eine Heiligenlegende interessieren? Heute? Etwa die Geschichte von Gregorius, einem inzestuösen Verhältnis entstammend, ausgesetzt, aufgezogen in einfachen Verhältnissen, Ritter, dann zum Herrscher gekürt, unwissend die eigene Mutter ehelichend, nach der Enthüllung Eremit, der 17 Jahre in tiefster Wildnis an einen Felsen gekettet ist. Dann wird er von Gott persönlich als Papst ausgesucht.

Vom Autor Hartmann von Aue weiß man nicht viel. In Schwaben geboren, erhielten sich vom Werk des Gebildeten mehrere Verserzählungen und Legenden, Minne- und Kreuzlieder. Zwischen 1210 und 1220 starb er. Gregorius, zwischen 1186 und 1190 entstanden, ist mehrere Male in ein gegenwärtiges Deutsch übersetzt worden. So auch 1939 von Reinhard Fink in Prosa.

Diese Version las 1998 Rolf Boysen für den deutschen Hörfunksender NDR ein: klar und abgeklärt. Vielleicht konnte selbst ein so erfahrener Rezitator wie Boysen erst im Alter sämtliche Facetten dieses ödipalen Buße-Erkenntnis-Klassikers prägnant ausschöpfen. (Alexander Kluy, Album, 12.5.2016)

  • Hartmann von Aue, "Gregorius". € 11,30 / 138 min. Deutscher Audio-Verlag, Berlin 2016
    cover: deutscher audio-verlag

    Hartmann von Aue, "Gregorius". € 11,30 / 138 min. Deutscher Audio-Verlag, Berlin 2016

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