U-Bahn: Stadtrechnungshof empfiehlt Prüfung von Zugangskontrollen

12. Mai 2016, 12:50
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Auch Ausweitung der Schwerpunktkontrollen und "Barzahlerbonus" empfohlen

Wien – Der Wiener Stadtrechnungshof hat das System der Fahrscheinkontrollen der Wiener Linien und die Gebühren fürs Schwarzfahren unter die Lupe genommen. In einem am Donnerstag veröffentlichten Prüfbericht empfiehlt er den Wiener Linien, die Einführung eines "geschlossenen Systems" mit Zugangssperren zu den U-Bahnen zu prüfen. Bei den Wiener Linien steht man dem jedoch kritisch gegenüber.

Der Stadtrechnungshof regt in dem Bericht an, Berechnungen über die Wirtschaftlichkeit von baulichen Maßnahmen zur Errichtung eines "geschlossenen Betriebssystems" wie es etwa in New York oder London der Fall ist, anzustellen. In einer Stellungnahme argumentieren die Wiener Linien aber, dass die Errichtung von Sperren in vielen Stationen (zum Beispiel bei den Otto-Wagner-Stationen der Linien U4 und U6) aufgrund der Enge oft baulich nicht möglich ist und die Barrierefreiheit dadurch gefährdet würde. Außerdem zeigten Erfahrungen aus andere Städten, dass trotzdem nicht auf Kontrollpersonal verzichtet werden könne.

Die Mehrgebühren, die Öffi-Benutzer zahlen müssen, wenn sie beim Schwarzfahren erwischt werden, stiegen im Prüfungszeitraum von 70 Euro (2009) auf 103 Euro (seit 2013). Damit liegt Wien im Vergleich im Mittelfeld: In anderen europäischen Großstädten bewegten sich die Gebühren im Jahr 2012 zwischen 38 Euro (Amsterdam) und 200 Euro (Brüssel).

Jeder sechste Straf-Euro uneinbringlich

Um den Bearbeitungsaufwand zu senken, empfiehlt der Stadtrechnungshof, durch einen "Barzahlerbonus" den Anreiz, sofort anstatt per Erlagschein zu bezahlen, zu erhöhen. Wer derzeit bei einer Kontrolle keinen gültigen Fahrschein hat, zahlt 103 Euro – egal ob bar oder mittels Erlagschein innerhalb von drei Tagen. Empfohlen wird außerdem, die Bezahlung mit Bankomatkarte zu ermöglichen, um den Kontrollablauf zu beschleunigen und "allfälliges Konfliktpotenzial zu reduzieren, das bei der Begleitung von Fahrgästen zur Bargeldbehebung besteht".

Rund zwölf Prozent der erwischten Schwarzfahrer bezahlten im Zeitraum zwischen 2009 und 2013 bar, 39 Prozent innerhalb der vorgegeben Frist per Erlagschein oder beim Kundendienst. Knapp die Hälfte der Forderungen mussten eingemahnt werden, 17 Prozent blieben uneinbringlich.

Die Einnahmen aus den Mehrgebühren betrugen im Prüfungszeitraum 2009 bis 2013 durchschnittlich 7,95 Millionen Euro im Jahr. Die jährlichen Personalkosten für die Mehrgebührenabwicklung beliefen sich auf 8,64 Millionen Euro – womit sie die Einnahmen um rund 0,68 Millionen überstiegen. Aufgrund des offenen Betriebssystems und wegen ihrer Präventivwirkung seien die Fahrscheinkontrollen aber unerlässlich, betont der Stadtrechnungshof.

Weitaus effektiver als die Linienkontrollen, bei denen einzelne Kontrolleure in den Öffis unterwegs sind, sind die Schwerpunktkontrollen großer Teams bei den Ausgängen der Stationen. Angeregt wird daher, die Schwerpunktkontrollen in den U-Bahn-Stationen auszuweiten. (APA, 12.5.2016)

  • Der ticketlose Zugang zur Wiener U-Bahn ist zu leicht möglich, kritisiert der städtische Rechnungshof.
    foto: apa/roland schlager

    Der ticketlose Zugang zur Wiener U-Bahn ist zu leicht möglich, kritisiert der städtische Rechnungshof.

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