Diebstahlsprozess: Osterhasen, Murmeltier und Mafioso-Vergleich

13. Mai 2016, 06:00
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Ein 38-Jähriger soll in Wiens Straßen wahllos Pakete gestohlen haben. Der finanzielle Erfolg war ob der Planlosigkeit recht unterschiedlich

Wien – Vorurteile können durchaus der Realität entsprechen. Wie im Fall von Alfredo S., der wegen gewerbsmäßigen Diebstahls vor Richter Marc Farkas sitzt. Aber nicht ruhig. Der Redeschwall des 38-jährigen Neapolitaners ist kaum zu bremsen, dazu gestikuliert er hektisch und ausladend.

Anfang März kam der Koch nach Österreich, innerhalb von drei Wochen soll er acht Diebstähle begangen haben. Die etwas an den Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" erinnern. Dort vergnügt sich der in einer Zeitschleife gefangene Bill Murray damit, einem unachtsamen Geldtransport-Fahrer einen Geldkoffer zu entwenden. S. hat das in der Wiener Innenstadt mit Paketboten durchgezogen.

Pakete von der Rodel gestohlen

Was er dabei erbeutet, scheint dem in Italien und Deutschland mehrfach Vorbestraften ziemlich egal gewesen zu sein. Sah er auf dem Gehsteig eine Paketrodel oder einen Lieferwagen, schnappte er sich die Postsendung. Der finanzielle Erfolg fiel demgemäß recht unterschiedlich aus. Manchmal erbeutete er zwar teure Armbanduhren oder Kleidung, am Stephansplatz waren es dagegen Kaffeehäferl mit Osterhasenmotiv und zwölf Computermäuse.

Farkas will wissen, warum S. das gemacht hat. "Wegen meiner jahrelangen Spielsucht", antwortet der Angeklagte. "So kann es nicht weitergehen, das ist Ihnen schon bewusst?" – "Ja, das war das letzte Mal." – "Was haben Sie mit der Beute gemacht?" – "Verkauft, verschenkt, versetzt."

"Fürchterliche Haftbedingungen"

In seinem Schlusswort bittet S. noch wort- und gestenreich um eine milde Strafe. "Die Haftbedingungen hier sind fürchterlich! Eine Stunde ist wie ein Tag, ein Tag wie ein Monat! Wenn man 23 Stunden in einer Zelle ist, fühlt man sich wie ein Mafioso!"

Er muss es dennoch wohl noch länger ertragen. Wegen der Fakten, zu denen er geständig ist, verurteilt ihn der Richter zu einem Jahr unbedingter Haft. Nach einer lautstarken Beratung mit seiner Verteidigerin Sonja Scheed akzeptiert der Angeklagte das Urteil, da der Staatsanwalt keine Erklärung abgibt, ist es nicht rechtskräftig. (Michael Möseneder, 13.5.2016)

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