Umfrage: Pfusch gilt immer weniger als Kavaliersdelikt

12. Mai 2016, 10:45
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Schwarzarbeit am häufigsten bei Renovierung von Wohnung oder Haus – Diskrepanz zwischen eigenem Verhalten und allgemeiner Meinung

Wien – Die Österreicher stehen der Schattenwirtschaft kritischer gegenüber. "Dinge im Pfusch erledigen lassen" wird immer weniger als Kavaliersdelikt betrachtet – zuletzt nur noch von circa 52 Prozent der Bevölkerung. Anfang vorigen Jahres waren es noch um zehn Prozentpunkte mehr, hat der Linzer Volkswirtschaftsprofessor Friedrich Schneider ermitteln lassen.

Selbst schwarz zu arbeiten sehen laut der Market-Linz-Umfrage von Jänner/Februar im Auftrag von Schneider jetzt nur noch 25 Prozent als Kavaliersdelikt an, nach 34 Prozent ein Jahr davor. Demgegenüber wird "zu schnell fahren mit dem Auto auf der Autobahn" von 44 Prozent (-7) als ein solches Bagatelldelikt betrachtet, Zeitungen ohne Bezahlung aus einem Zeitungsständer mitzunehmen von 29 (-2) und Kinder die Schule schwänzen zu lassen von 18 (-1) Prozent.

Haus und Auto

Am häufigsten – zu 55 Prozent – werden Pfuscher im Bereich "Renovieren einer Wohnung oder eines Hauses" beschäftigt, sagten die im Jänner/Februar nach einer tatsächlichen Inanspruchnahme von Pfusch-Dienstleistungen Befragten, gefolgt von Reparaturen am Auto (21 Prozent). Danach folgen Kosmetik- und Friseurdienstleistungen (15 Prozent), die Inanspruchnahme von Hausarbeit (13 Prozent) und von Nachhilfestunden und Gartenarbeiten mit je acht Prozent sowie der Kinderbetreuung mit fünf Prozent. Gegenüber 2015 ist der Anteil bei der Kategorie Wohnungs- oder Hausrenovierung mit 15 Prozentpunkten am stärksten gesunken.

Eine hohe Diskrepanz gibt es zwischen eigenem Pfusch-Verhalten und der Meinung, wie viel in verschiedenen Bereichen an sich schwarzgearbeitet wird. Beispielsweise haben 21 Prozent der Befragten bei Autoreparaturen einen Pfuscher in Anspruch genommen, 58 Prozent meinen aber, dass in diesem Sektor besonders häufig schwarzgearbeitet wird, also fast drei Mal so viel. Schneider: "Sehr wahrscheinlich wird die tatsächliche Inanspruchnahme von Pfuschleistungen zwischen diesen Werten liegen."

Zweifel an Mehreinnahmen für den Staat

"Ohne Pfuscher kann man sich heute vieles nicht leisten" – diesem Statement schlossen sich 67 Prozent der vom Linzer Institut für Markt-, Meinungs- und Mediaforschung Befragten mit einem Ja an, lediglich drei Prozentpunkte weniger als Anfang 2015. Auf die Aussage "Der Staat ist eigentlich selbst schuld, dass es so viele Pfuscher gibt. Die Steuern sind einfach zu hoch" antworteten 55 Prozent mit Ja – hier zeigte sich jedoch im Jahresabstand ein Rückgang um zehn Prozentpunkte.

Heuer gaben 36 Prozent zu, dass sie in den letzten zwei bis drei Jahren auf einen Pfuscher zurückgegriffen hätten, um sieben Prozentpunkte weniger als zuletzt. 31 Prozent meinten, dass durch den Pfusch dem Staat viele Milliarden an Steuereinnahmen entgehen. Ganze fünf Prozent meinten, dass man Pfuscher anzeigen sollte. Befragt wurden 1.032 in Face-to-Face-Interviews, repräsentativ für die ab 15-Jährige Bevölkerung (Schwankungsbreite +/-3,11 Prozent).

Größter Verlierer beim Pfusch sei der Staat, betont Schneider, dem durch die Schattenwirtschaft hauptsächlich Sozialversicherungsbeiträge entgegen – nämlich Steuer- und Sozialversicherungsbeitrags-Ausfälle von 2,0 bis 3,5 Milliarden Euro pro Jahr. Die Steuerverluste würden sich aber in Grenzen halten, da das schwarz verdiente Geld wieder in die offizielle Wirtschaft fließe.

Schneider: Sieben Prozent des BIP

Etwa zwei Drittel der Wertschöpfung komme von Pfuschern, die selbstständig oder unselbstständig in einem offiziellen Job beschäftigt sind, die volle Steuer- und Abgabenlast tragen und "nur" die schwarzen Überstunden nicht versteuern, so der Experte. 16 Prozent der Wertschöpfung des Pfuschs gehen seinen Angaben zufolge auf organisierte Kriminalität zurück (Prostitution, Bau) und 17 Prozent auf Arbeitslose und Frühpensionisten.

Im Jänner hatte Schneider prognostiziert, dass der Anteil des Pfuschs an der offiziellen Wirtschaftsleistung Österreichs – nach einem Anstieg in den beiden Vorjahren – heuer wieder unter die Marke von acht Prozent des BIP sinken dürfte. Als Grund nannte er vor allem die Entlastung durch die Steuerreform. Insgesamt dürfte das Pfusch-Volumen heuer um gut 700 Millionen auf rund 20,64 Milliarden Euro schrumpfen, so Schneider damals. 2015 war mit 21,35 Milliarden der höchste Wert seit mehr als einem Jahrzehnt erreicht worden. Um zwei Milliarden gedrückt werden dürfte der Pfusch heuer durch die Steuerreform, dafür dürfte die höhere Arbeitslosigkeit die Schattenwirtschaft um eine Milliarde Euro ankurbeln. (APA, 12.5.2016)

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    grafik: apa
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