Lazaro der 24. Spieler in Kollers EM-Kader

12. Mai 2016, 10:39
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Der Kader für die letzte Vorbereitungsphase auf die EM ist nominiert. Valentino Lazaro bekommt eine Chance

Wien – Eine Tugend von Marcel Koller ist die Verlässlichkeit. Der Mann ist konsequent – was liegt, das pickt. Also sind seine Kaderbekanntgaben selten spektakulär, er zaubert keine Wunderwuzzis aus dem Hut. Kopfschütteln und Staunen sind abgeschafft. Seit rund vier Jahren. Am Donnerstag saß Österreichs Teamchef unter dem Dach der Urania, besondere Anlässe bedürfen eines speziellen Rahmens. Normalerweise spricht er bei solchen Terminen im Medienzentrum des Happel-Stadions, ein Ort, der an Charme überbietbar ist. "Grüß Gott", sagt er immer und überall.

Das Aufgebot ist jenes, das bei der EM in Frankreich geigen soll, das Überstehen der Gruppenphase gilt als Minimalziel, Zugaben sind erwünscht. Koller nominierte nur 24 Spieler, es hätten auch 30 sein können. Zur EM dürfen 23, die Namen müssen bis 31. Mai kurz vor Mitternacht mitgeteilt werden. Sollte sich danach einer verletzen, kann er, der eine, ersetzt werden. Ein Zweiter nicht. Am 14. Juni geht personell nix mehr, an diesem Tag trifft Österreich in Bordeaux auf Ungarn.

Zunächst geht es einmal ins Trainingslager nach Laax in die Schweiz. Einrückungstermin ist der 22. Mai, die Veranstaltung startet spektakulär, Gemeindepräsident Adrian Steiger begrüßt die illustren Gäste. Trainingslager ist relativ. "Es wird individuell gearbeitet", sagte Koller. "Es geht darum, die Köpfe freizubekommen, sich von den Strapazen der Saison zu erholen. Jeder Einzelne soll das bekommen, was er braucht."

Viele Verspätungen

Einige Spieler treffen erst verspätet ein. David Alaba hat am 21. Mai in Berlin noch das Pokalfinale mit Bayern gegen Dortmund zu erledigen, er ist für den 24. avisiert. In der deutschen Bundesliga ist die Abstiegsfrage nicht geklärt, die Stuttgarter Florian Klein und Martin Harnik sind akut gefährdet. Bremens Zlatko Junuzovic droht die Relegation gegen Nürnberg, sie wird am 18. und 23. ausgetragen. Das Trio kommt irgendwann nach Laax. Die Schweiz-Legionäre Marc Janko und Jakob Jantscher sind am 25. noch in der Liga beschäftigt, sie sind ab dem 28. eingeplant. Janko ist nach seiner Muskelverletzung wieder ins Mannschaftstraining beim FC Basel eingestiegen, auch Dynamo Kiews Aleksander Dragovic macht nach dem Bänderriss alle Übungen mit. Koller ist beruhigt. "Wir werden in Laax die Belastungen steuern."

Weshalb er nicht das volle Kontingent ausschöpft? "Mehr Leute würden nur mehr Unruhe bringen. Es geht doch darum, das Ganze zu festigen, die Automatismen zu trainieren. Sollen bei taktischen Einheiten sieben Leute von der Tribüne aus zuschauen?" Aus der österreichischen Liga sind nur Austrias Tormann Robert Almer und Salzburgs Valentino Lazaro dabei. Lazaro ist gerade noch auf den Zug gesprungen. Guido Burgstaller, Florian Kainz oder Karim Onisiwo, um nur drei zu nennen, verpassten ihn. Vorerst. Ob Lazaro der Wackelkandidat ist? Koller: "Ich nenne keinen Namen, das wäre kontraproduktiv. Es gehört zu meinem Job, schwierige Entscheidungen zu treffen."

In Laax soll es geordnet locker zugehen. Es wird gewandert, Rad gefahren, Golf gespielt. Auf freiwilliger Basis. Koller: "Wer stattdessen lieber Fußball spielt, darf das." Am 26. Mai wird gegen den Sechstligisten US Schluein Ilanz geprobt, ein verpflichtender Programmpunkt. Der ORF überträgt den Hit live (17.45), der Wahnsinn nimmt seinen Lauf.

Die Tests gegen Malta (31. Mai, Klagenfurt) und die Niederlande (4. Juni, Wien) dienen der Annäherung an Frankreich. Koller: "Das Ergebnis hat nicht die oberste Priorität." Mit Infos über die EM-Gegner Ungarn, Portugal und Island werden die Spieler in Laax nicht gequält. Koller hält das für verfrüht. Der 55-Jährige äußerte den Wunsch, dass Transfers "rechtzeitig erledigt werden".

Das große Kribbeln soll dann am 8. Juni einsetzen, wenn der Flieger nach Avignon abhebt. Der Schweizer verspürt noch keine Nervosität. "Eine Anspannung habe ich immer erst kurz vor dem Spiel, das ist eine positive Anspannung, die ich brauche." Was er vielleicht nicht braucht, aber worüber er sich schon sehr freut, ist das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien. Bürgermeister Michael Häupl verleiht es am Freitag. (Christian Hackl, 12.5.2016)

Der Großkader:

Tor:
Robert Almer (Austria Wien/27 Länderspiele)
Heinz Lindner (Eintracht Frankfurt/7)
Ramazan Özcan (Ingolstadt/6)

Abwehr:
Aleksandar Dragovic (Dynamo Kiew/45/1 Tor)
Christian Fuchs (Leicester/74/1)
György Garics (Darmstadt/41/2)
Martin Hinteregger (Mönchengladbach/12/0)
Florian Klein (Stuttgart/35/0)
Sebastian Prödl (Watford/56/4)
Markus Suttner (Ingolstadt/15/0)
Kevin Wimmer (Tottenham/3/0)

Mittelfeld:
David Alaba (Bayern München/44/11
Marko Arnautovic (Stoke/50/10)
Julian Baumgartlinger (Mainz/43/1)
Martin Harnik (Stuttgart/56/14)
Stefan Ilsanker (RB Leipzig/14/0)
Jakob Jantscher (Luzern/21/1)
Zlatko Junuzovic (Werder Bremen/46/7)
Valentino Lazaro (RB Salzburg/4/0)
Marcel Sabitzer (RB Leipzig/16/3)
Alessandro Schöpf (Schalke 04/2)

Angriff:
Lukas Hinterseer (Ingolstadt/8/0)
Rubin Okotie (1860 München/16/2)
Marc Janko (Basel/52/26)

Auf Abruf:
Daniel Bachmann (Stoke/0)
Andreas Lukse (Altach/0)
Stefan Lainer (RB Salzburg/0)
Andreas Lienhart (Altach/0)
Michael Madl (Fulham/0)
Emanuel Pogatetz (Union Berlin/61/2)
Andreas Ulmer (RB Salzburg/3)
Guido Burgstaller (Nürnberg/9/0)
Florian Grillitsch (Werder Bremen/0)
Andreas Ivanschitz (Seattle/69/12)
Florian Kainz (Rapid/0)
Veli Kavlak (Besiktas/31/1)
Yasin Pehlivan (RB Salzburg, 17/0)
Louis Schaub (Rapid/0)
Michael Gregoritsch (Hamburger SV/0)
Karim Onisiwo (Mainz/1/0)

  • Marcel Koller: "Bis 31. Mai kann noch viel passieren."
    foto: apa/jäger

    Marcel Koller: "Bis 31. Mai kann noch viel passieren."

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