Nato treibt Raketenabwehr voran

12. Mai 2016, 09:12
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Abschussstation in Rumänien wird eingeweiht – Russland protestiert

Brüssel/Moskau – Trotz russischer Proteste treibt die Nato den Aufbau ihres Raketenabwehrsystems in Europa voran. Am Donnerstag wird in Anwesenheit von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg im rumänischen Deveselu die erste von zwei Raketenabschuss-Stationen eingeweiht. Eine zweite Abwehrbasis entsteht bei dem nordpolnischen Dorf Redzikowo nahe der russischen Exklave Kaliningrad. Offizieller Baubeginn ist am Freitag.

Außerdem gehören eine Radaranlage in der Türkei und vier in Südspanien stationierte US-Schiffe mit Abwehrraketen zu dem Schutzschild. Die Kommandozentrale liegt auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Deutschland.

Russland: Basis in Rumänien ist "schädlich"

Russland kritisierte die Inbetriebnahme der Raketensasis in Rumänien als "schädlich und falsch". Die Anlage könne auch Marschflugkörper abfeuern und sei eine Gefahr für das strategische Gleichgewicht, sagte Michail Uljanow vom russischen Außenministerium.

Der stellvertretende US-Außenminister Frank Rose bekräftigte dagegen in der rumänischen Hauptstadt Bukarest, dass der Raketenschild nicht gegen Russland gerichtet sei. Zu den russischen Bedenken sagte er: "Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein." Die USA argumentieren, die russischen Raketen seien zu schnell, um von den Abfangraketen erreicht werden zu können.

Rose: Iran weiterhin Hauptbedrohung

Als Hauptbedrohung sieht Rose weiterhin den Iran, obwohl sich das Verhältnis seit Abschluss des Atomabkommens im vergangenen Jahr deutlich entspannt hat. "Der Iran entwickelt, testet und stationiert weiterhin das ganze Sortiment von Kurz- und Mittelstreckenraketen", sagte Rose vor der Einweihungszeremonie in Bukarest. Die iranischen Raketen könnten auch das europäische Bündnisgebiet der Nato erreichen.

Die Abwehrstation in Deveselu wurde von den USA im Alleingang aufgebaut und kostete 800 Millionen Dollar (700 Millionen Euro). Auf dem Nato-Gipfel in Warschau im Juli soll sie der Nato unterstellt werden. Das sogenannte Aegis-System kann Mittelstreckenraketen eines Angreifers außerhalb der Erdatmosphäre zerstören. Insgesamt haben die USA weit mehr als eine Milliarde Dollar (880 Millionen Euro) in die Raketenabwehr investiert. Die Beiträge der Bündnispartner sind bisher verschwindend gering. Von Deutschland erhoffen sich die USA die Bereitstellung von Kriegsschiffen mit Radargeräten. (APA, 12.5.2016)

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