Mabel Jansen – Die Richterin, die sich selbst verurteilte

Kopf des Tages11. Mai 2016, 20:00
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Richterin hatte auf Facebook rassistische Äußerungen gepostet

Mabel Jansen bleibt dabei: "Ich weiß, ich habe nicht generalisiert." Das sagt die weiße Richterin, die jetzt täglich den Angriffen verärgerter, hauptsächlich schwarzer Südafrikaner ausgesetzt ist. Aber auch die größte Oppositionspartei des Landes, die früher weiße und nun gemischtfarbige Demokratische Allianz, will die Richterin absetzen. Seit Mittwochabend ist sie nun vom Dienst freigestellt.

Jansen hat behauptet, in 99 Prozent der Anklagen seien es schwarze Männer, die Kinder vergewaltigen. Viele der Opfer seien nicht einmal fünf Jahre alt. Auf Facebook schrieb Jansen: "Sie machen es mit ihren eigenen Kindern, Schwestern, Nichten."

Die Hasskommentare in den sozialen Netzwerken häufen sich, und eine Petition, Jansen aus ihrem Dienst zu entlassen, hat innerhalb kurzer Zeit 1400 Unterschriften erhalten. Südafrika leidet immer noch unter täglichem Rassismus, aber die blonde Richterin des Obersten Gerichtshofs in Pretoria nimmt ihre Behauptung trotz des enormen Drucks nicht zurück.

Es gehöre zur schwarzen Kultur, Kinder und Frauen zu vergewaltigen: Dieser Satz von Jansen ist die Ursache allen Übels.

Auch liefert Jansen keine Entschuldigung. Sie zieht sich nach dem öffentlichen Ansturm und den Attacken auf ihre Person nicht einfach zurück. Sie verteidigt sich und erklärt, ihre Aussagen seien aus dem Kontext gerissen worden. Sie habe lediglich auf die ihr vorliegenden Vergewaltigungsfälle hingewiesen. Und da seien eben zu 99 Prozent schwarze Männer die Täter.

Doch die zart aussehende Richterin gibt zu, die über sie hereingebrochene Kontroverse habe sie erschüttert. Zumal gerade ihr Ehemann in Großbritannien verstorben sei, heißt es in den südafrikanischen Medien.

Wofür steht Mabel Jansen? Sie selbst behauptet, das Gegenteil der Anschuldigungen zu sein, also keine Rassistin. Seit drei Jahren arbeitet sie an dem Gericht in Pretoria, sie habe lediglich Hilfe für die Opfer gesucht und sich mit ihren Kommentaren an eine (weiße) Sozialaktivistin und Filmemacherin gewandt, die mit einem schwarzen Südafrikaner verheiratet ist. Die wiederum ließ sich ein Jahr lang Zeit damit, die betreffende Facebook-Unterhaltung an die Öffentlichkeit zu bringen. Sie habe die Heuchelei der Gesellschaft nicht länger ertragen können, gibt sie nun als Begründung an.

Die Richterin hatte geglaubt, die Sache sei erledigt. Aber ein Freund sagte laut Medienberichten, sie leide unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Jansen selbst sagt, die Fälle seien so "schockierend und krank", und sie habe die Aktivistin zum Lesen ihrer Akten eingeladen. (Martina Schwikowski, 12.5.2016)

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