Auch den Jemen kann keiner allein regieren

12. Mai 2016, 07:00
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Schwierige Verhandlungen zwischen Regierung und Rebellen in Kuwait – USA haben Sonderkommando gegen Al-Kaida im Einsatz

Auch über die Beendigung des Kriegs im Jemen wird unter Uno-Ägide verhandelt: nicht in Wien, aber seit dem 21. April in Kuwait-Stadt. Zwei Gesprächsrunden in der Schweiz im Vorjahr waren zuvor bereits gescheitert, und auch jene in Kuwait steht immer wieder auf der Kippe.

So musste am Wochenende das direkte Format, bei dem sich Vertreter der international anerkannten Regierung von Abd Rabbo Mansur Hadi und der Huthi-Rebellen gegenübersaßen, wieder auf indirekte Gespräche umgestellt werden. Meldungen über die Einigung auf einen Gefangenenaustausch wurden rasch wieder dementiert. Die Waffenruhe, die die Gespräche unterstützen soll, wird durch häufige beiderseitige Angriffe verletzt.

Mit den Konflikten in Syrien und in Libyen hat der jemenitische gemeinsam, dass der große Profiteur der internationale Jihadismus ist. Im Jemen gedeiht der heute stärkste Zweig der Al-Kaida, die Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqip). Ihre Ausbreitung im Süden – die allerdings schon seit Jahren vor sich geht – wird nun von einer von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) geführten Offensive bekämpft, die die USA mit Sonderkommandos begleiten – die damit nun außer in Syrien, im Irak und in Libyen auch im Jemen de facto "boots on the ground" haben.

Südlicher Separatismus wieder da

Der "Islamische Staat" hat sich unter anderem in der südlichen Stadt Aden festgesetzt, die im März 2015 von den Huthis eingenommen und im Juli 2015 durch die saudi-arabisch geführte Intervention für Hadi zurückerobert wurde. Aber in den vergangenen Tagen zeigt sich noch eine andere Entwicklung: Anhänger der Separatistenbewegung Hirak haben damit begonnen, hunderte aus dem Nordjemen stammende Arbeiter aus Aden zu deportieren. Präsident Hadi hat dagegen scharf protestiert – dass es dennoch passiert, zeigt seine mangelnde Durchsetzungskraft.

Auch in der saudisch-geführten Allianz, die die Huthis und ihren Verbündeten, Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh, bekämpft, haben sich Bruchlinien aufgetan, konkret zwischen Saudi-Arabien und den VAE. Die einzige Hoffnung für den Jemen ist das – theoretische – Wissen aller, dass niemand das Land allein regieren kann. (guha, 12.5.2016)

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