"Schreib/Maschinen/Kunst": Klack, klack, klack – kling!

11. Mai 2016, 17:59
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Marvin und Ruth Sackner präsentieren in ihrem Buch Beispiele herausragender Vertreter der Typewriter-Art

Jerry Lewis gelang es seinerzeit in einem knapp einminütigen Sketch der Schreibmaschine ein Denkmal zu setzen. In seinem cineastischen Kleinod fusionierte er das Klappern, Klingeln und Rattern einer analogen Schreibmaschine zu einer Symphonie, geformt aus Bewegung, Mimik, Geräuschkulisse, Musik und Komik.

aufschlagseite aus der "sammlung sackner", fotografiert von heidi seywald
Den Charme eines analogen Wörtersees zeitigt die geistreiche, mit Buchstaben, Typografie und Raum spielende "Schreib/Maschinen/Kunst". Auch dabei: das "lästige" Farbband ...

Das präzise, melodiöse Klack-klack der Hebel und Arme, welche die Typen und Buchstaben konzentrisch zu Papier brachten, formte Buchstaben zu Worten, Sätzen und Seiten. Ob Richard Kostelanetz eingedenk dieses komödiantischen Lobliedes zu Werke ging, als er die Kunstsparte Typewriter-Art erfand, ist nicht überliefert. Fest steht, dass er (und viele Mitstreiter) mit ihrer Kunst der analogen Welt ein Denkmal gesetzt haben. Er definierte "concrete poetry" als Poesie "aus verbildlichten Wörtern oder in Worten gefassten Bildern". Alles klar? In Wahrheit sind es Bilder, die mithilfe von Schreibmaschinen entstanden.

Buchstaben, Worte, Wortbilder, Muster, Wiederholungen, Überschreibungen, Übermalungen, Bilder, Collagen etc. Das Archiv von Marvin und Ruth Sackner umfasst zehntausende Werke, von dekorativen Anfängen, Lautgedichten des Dadaismus, konkreten Gedichten der 1960er-Jahre bis zu zeitgenössischen Arbeiten, welche das Unikat eines individuell getippten Blatts im digitalen Zeitalter unterstreichen. (Gregor Auenhammer, Album, 11.5.2016)

Marvin und Ruth Sackner, "Schreib/Maschinen/Kunst". € 69,90 / 352 Seiten, Sieveking Verlag 2016. (Jedes Cover ist ein Unikat.)

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