Raiffeisens Gehversuch zum Sektorumbau

11. Mai 2016, 17:41
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Die Fusion von Landesbanken ist noch nicht spruchreif, nur die RLB NÖ-Wien soll gesprächsbereit sein

Wien – Die geplante Fusion der Raiffeisen Zentralbank (RZB) mit der Raiffeisen Bank International (RBI) hat eine ihrer Wurzeln in Frankfurt. Die Aufseher in der Europäischen Zentralbank (EZB) schauen mit Argusaugen auf die Kapitalisierung – auch – der Raiffeisen-Institute, "und dass die nicht die bestkapitalisierten in der Eurozone sind, ist bekannt", kommentiert ein Involvierter.

Eine Fusion der beiden Banken wäre in Frankfurt und bei der FMA in Wien gern gesehen – insofern, als sie die Kapitalquote anheben würde, weil bestimmte Minderheitenabzüge wegfielen. (Dass sie eine Fusion prüfen, gaben die Vorstände von RZB und RBI am Dienstagabend bekannt.)

"Nicht auf der Agenda"

Die andere Wurzel liegt aber sehr wohl in Österreich, im Raiffeisensektor wird ja schon lange über Fusionen diskutiert, den Worten sollen nun Taten folgen.

Die nun geprüfte Variante läuft unter dem Kürzel "R2", "R3" könnte irgendwann folgen. Dieses Modell sieht vor, dass auch die Raiffeisenlandesbank (RLB) NÖ-Wien unters Dach der neuen RBIRZB kommt – auch für sie hätte das eigenkapitalmäßig Vorteile. Von einer Einigung oder gar Beschlüssen ist man aber noch weit entfernt. Laut RBI-Chef Karl Sevelda stehen weitere Schritte derzeit "nicht auf der Agenda", wie er am Mittwoch zur APA sagte.

Weit entfernt sind die Giebelkreuz-Banker auch von Fusionen großer Landesbanken. Solche wären von den Aufsehern gern gesehen, und auch im Sektor gibt es Vertreter, die eine RBIRZB-Fusion nur als "ersten Schritt" sehen.

Landesbankchefs bremsen

Die Landesbank-Chefs freilich hängen an den alten Strukturen und wollen jene Rechenmodelle von Beratern nicht glauben, wonach Zusammenlegungen Ertragssteigerungen und hohe Synergieeffekte brächten.

Mit der R2-Variante könnten sie dagegen leben, heißt es, der Grundsatzbeschluss könnte bis Mitte Juni stehen. Zur Orientierung: Die fürs Ostgeschäft zuständige, börsennotierte RBI gehört zu 61 Prozent dem Raiffeisen-Spitzeninstitut RZB, der Rest steht in Streubesitz. Die RZB steht im Eigentum der acht Landesbanken, größter Aktionär ist die RLB NÖ-Wien. Die Landesbanken wiederum gehören den rund 470 Raiffeisenkassen und die den Genossenschaftern des Sektors.

Seveldas letzter Akt

Klappt der Plan (die RZB soll auf die RBI verschmolzen werden), wären die Landesbanken direkt an der RBI beteiligt. Die Fusion soll rückwirkend per Juni 2016 wirken. Weitere Auswirkungen auf den Personalstand sind zu erwarten. Die RBI fährt ja bereits seit längerem einen Sparkurs, und mit der Expansion ist es längst vorbei.

Für RBI-Chef Sevelda wird die Zusammenlegung der beiden Institute wohl den letzten Akt seines aktiven Berufslebens darstellen. Er wurde nach dem Rücktritt Herbert Stepics RBI-Chef, hatte damals aber schon Ruhestandspläne gewälzt. Auch RZB-Chef Walter Rothensteiner dürfte dem nächsten Führungsgremium nicht mehr angehören – Aufsichtsratschef der RBI neu könnte er bleiben. (Renate Graber, 12.5.2016)

  • Künftig könnten die Raiffeisen-Banker mit einer Drehtür das Auslangen finden. Weitere Fusionen im Sektor könnten folgen – sind aber umstritten.
    foto: apa/fohringer

    Künftig könnten die Raiffeisen-Banker mit einer Drehtür das Auslangen finden. Weitere Fusionen im Sektor könnten folgen – sind aber umstritten.

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