Was das Wachstum nachhaltiger Investments antreibt

15. Mai 2016, 09:00
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Das Ziel der Branche: Bis zum Ende des Jahrzehnts soll jeder zehnte Euro in Österreich nachhaltig veranlagt sein

Wien – Zehn Milliarden Euro sind kein Grund, sich auszuruhen. Zumindest nicht für Wolfgang Pinner, Vorstand des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG), denn der Markt für derartige Investmentvehikel hat sich in Österreich zwar 2015 neuerlich stärker als der Gesamtmarkt vergrößert, allerdings mit einem 14-prozentigen Anstieg nur halb so schnell wie in den vorangegangenen Jahren. "Man kann nicht jedes Jahr um 30 Prozent wachsen", kommentiert er die Entwicklung.

Jedoch ist das Ende der Fahnenstange in Sachen nachhaltiges Investieren für Pinner noch längst nicht erreicht: Mit einem Anteil von 6,3 Prozent des gesamten Anlagemarkts liegt Österreich ähnlich wie Deutschland oder die Schweiz zwar deutlich vor Südeuropa, hat aber noch Aufholpotenzial gegenüber nordischen Ländern oder den Benelux-Staaten. Bis Ende des Jahrzehnts hat Pinner jedenfalls eine klare Vorstellung hinsichtlich des nachhaltigen Marktanteils: "Ich denke, es gibt das Potenzial für einen zweistelligen Prozentsatz in den nächsten fünf Jahren."

Spezialfonds tragen Wachstum

Im Vorjahr wurde das nachhaltige Wachstum weniger von Investmentfonds getragen, deren Volumen sich bloß um drei Prozent erhöhte, als von den sogenannten Mandaten mit einem Anstieg um ein Drittel. Dabei handelt es sich gewissermaßen um Spezialfonds für Institutionelle oder Superreiche, hinter denen zumeist nur ganz wenige Investoren stehen.

Unter den nachhaltigen Anlagestrategien setzen fast alle Anbieter das Ausschlussprinzip ein, nach dem bei Unternehmensbeteiligungen Bereiche wie Waffen, Kernenergie oder Pornografie ein absolutes No-Go darstellen. Hinsichtlich Staatsanleihen betrifft dies hauptsächlich die Todesstrafe. Das bedeutet in der Praxis, dass zwar keine Schuldpapiere der USA gekauft werden dürfen, wohl aber jene von jenen zwei Dritteln der US-Bundesstaaten, in denen die Todesstrafe bereits abgeschafft wurde.

Eine untergeordnete Rolle im nachhaltigen Investmentuniversum spielen bisher günstigere, passive Anlageprodukte wie ETF. Pinner sieht darin zwar auch eine Möglichkeit des nachhaltigen Investierens, bricht aber eine Lanze für aktive Anlageprodukte, die von Fondsmanagern verwaltet werden. Diese können nämlich Kontakt zu Unternehmenslenkern pflegen, um diese von nachhaltigen Standpunkten zu überzeugen. (Alexander Hahn, 15.5.2016)

  • Eine runde Sache: Nachhaltige Investments haben 2015 in Österreich erstmals ein Volumen von mehr als zehn Milliarden Euro erreicht.
    foto: dpa-zentralbild/martin schutt

    Eine runde Sache: Nachhaltige Investments haben 2015 in Österreich erstmals ein Volumen von mehr als zehn Milliarden Euro erreicht.

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