"Sind ja großteils meine Kunden in der Kaserne"

11. Mai 2016, 17:25
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Ein Army-Shop-Betreiber mit Nähe zu den Identitären sollte einen Stand in der Jansa-Kaserne betreiben. Heeresminister Doskozil zog die Notbremse

Großmittel/Wien – Wie jedes Jahr lädt die Jansa-Kaserne im niederösterreichischen Großmittel auch heuer zum Tag der offenen Tür. Die Bevölkerung kann am 4. Juni unter anderem einer Leistungsschau beiwohnen. Mit dabei sollte heuer auch ein großer Verkaufsstand des US-Army-Shops Checkpoint Charlie sein.

Security- und Airsoft-Shop

Michael Kietreiber, der Betreiber des Geschäfts, das seinen Sitz in Wiener Neustadt hat und sich auf seiner Website als Fachgeschäft für Outdoor, Security und Airsoft-Ausrüstungen präsentiert, hatte den Stand auf seiner Facebook-Seite schon freudig angekündigt. Dort teilt Kietreiber auch regelmäßig Postings der vom Verfassungsschutz beobachteten rechtsextremen Gruppe der Identitären. Der Geschäftsmann war auch mehrmals schon bei Aktionen und Demonstrationen der Identitären dabei – an vorderster Front, wie Fotos zeigen, die dem STANDARD vorliegen. Auf Nachfrage im Verteidigungsministerium, ob der Stand tatsächlich Teil der Veranstaltung am 4. Juni sein werde, ließ Minister Hans Peter Doskozil (SPÖ) den STANDARD am Mittwoch nach Überprüfung der Sachlage umgehend wissen: "Das wurde heute sofort abgesagt. Dieser Mann wird sicher nicht im Rahmen einer Bundesheerveranstaltung tätig sein."

Ohne Wissen des Ministeriums eingefädelt

Die geplante Kooperation sei ohne Wissen des Ministeriums eingefädelt worden. Von wem, das will man nun herausfinden. "Das Abwehramt wurde heute beauftragt, mögliche Querverbindungen zwischen Identitären und Bundesheer zu überprüfen", so Doskozil. Wer ihm die Verbindung ins Bundesheer gelegt hat, sollte eigentlich Kietreiber selbst wissen. DER STANDARD erreichte den Mann am Mittwoch in seinem Geschäft, als er noch nicht wusste, dass er seinen Stand am 4. Juni nicht aufbauen wird müssen. Man habe ihn seitens der Kaserne eingeladen, den Stand zu betreiben: "Sicher bin ich gefragt worden", so Kietreiber, "das sind ja großteils meine Kunden in der Kaserne."

Dass er bei diversen Aktionen der Identitären, etwa in Spielfeld, dabei war, streitet Kietreiber nicht ab: "Aber das hat ja nichts mit meinem Geschäft zu tun. Ich distanziere mich grundsätzlich nicht von den Inhalten der Identitären, das ist meine persönliche Einstellung, und ich unterstütze viele Vereine und Organisationen, deswegen bin ich kein aktives Mitglied." Dass Verfassungsschutz und Heer keine so entspannte Einstellung zu den Identitären zeigen, lässt Kietreiber ungerührt: "Schauen Sie, der Verfassungsschutz beobachtet doch viele."

Grüne: Einladung sei "besorgniserregend"

Die grüne Abgeordnete Tanja Windbüchler, selbst Wiener Neustädterin, schlug in einem noch unbeantworteten Brief an das Abwehramt Alarm: Kietreiber sei kein Sympathisant, sondern in der Region als aktives Mitglied der Identitären bekannt. Seine Einladung sei "besorgniserregend". (Colette M. Schmidt, 11.5.2016)

  • Seine Einstellung sei Privatsache, meint ein Geschäftsmann  aus Wiener Neustadt, der privat mit den Identitären marschiert.
    foto: pfarrhofer/apa

    Seine Einstellung sei Privatsache, meint ein Geschäftsmann aus Wiener Neustadt, der privat mit den Identitären marschiert.

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