Ältestes Steinbeil der Welt in Westaustralien entdeckt

11. Mai 2016, 17:26
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Der Fund ist 44.000 bis 49.000 Jahre alt – das Werkzeug muss fast unmittelbar nach der Besiedlung Australiens angefertigt worden sein

Sydney/Wien – Die Vorfahren der Aborigines besiedelten Australien vor rund 50.000 Jahren. Wie innovativ die ersten Australier gewesen sein müssen, belegt nun ein Fund von Archäologen um Sue O'Connor (Australian National University in Canberra) und Peter Hiscock (University of Sydney). Die Forscher entdeckten den Überrest eines Steinbeils, der bisherige Funde ähnlicher Werkzeuge in den Schatten stellt.

Das vermutlich geschäftete Beil muss schon vor 44.000 bis 49.000 Jahren angefertigt worden sein – also etwa zur Zeit der Besiedlung des Kontinents. Damit ist es deutlich älter als alle anderen bekannten Funde. "In Japan tauchten Steinbeile vor etwa 35.000 Jahren auf", sagte O'Connor. "Aber in den meisten anderen Regionen der Welt gab es solche Werkzeuge erst sehr viel später, mit dem Aufkommen der Landwirtschaft."

O'Connor hatte das nun im Fachblatt Australian Archaeology beschriebene Fragment zusammen mit weiteren Artefakten eigentlich schon in den 1990er-Jahren in der westaustralischen Region Kimberley ausgegraben. Doch erst jetzt offenbarten genaue Analysen eines winzigen polierten Gesteinsstücks, dass es von einem geschliffenen Beil aus Basalt stammen muss.

Regionales Know-how

Das Werkzeug wurde offenbar mithilfe von Sandstein bearbeitet und glattpoliert und dürfte gut zur Herstellung von Speeren oder zum Fällen und Entrinden von Bäumen geeignet gewesen sein. Das nun entdeckte Bruchstück sei wahrscheinlich beim Schleifen abgesplittert und zurückgelassen worden. "Die Datierung des Fundes zeigt uns, dass die Menschen unmittelbar nach ihrer Ankunft in Australien begannen, mit neuen Technologien zu experimentieren", so Hiscock. "Dort, wo sie herkamen, hatten sie noch keine Beile, das wissen wir."

Wie die Forscher weiter berichten, etablierten sich Beile mit der zunehmenden Ausbreitung des Menschen auf dem australischen Kontinent jedoch noch lange nicht überregional. Sie wurden offenbar zunächst nur im tropischen Norden hergestellt, während sie im Süden erst viele Jahrtausende später auftauchten. (dare, 11.5.2016)

  • Mikroskopische Aufnahmen des Fragments. Es ist etwa so groß wie ein Daumennagel.
    foto: australian national university

    Mikroskopische Aufnahmen des Fragments. Es ist etwa so groß wie ein Daumennagel.

  • So oder ähnlich dürfte das Beil ausgesehen haben, von dem das Bruchstück stammt.
    foto: stuart hay, australian national university

    So oder ähnlich dürfte das Beil ausgesehen haben, von dem das Bruchstück stammt.

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