Vier Fünftel der Insektenstich-Allergiker pfeifen auf Therapie

11. Mai 2016, 16:57
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Nur wenige Wespen- und Bienenstichallergiker unterziehen sich einer Immuntherapie. Vermutlich, weil der Zeitaufwand sehr hoch ist, glauben Experten

Ein einziger Insektenstich reicht aus, um Wespen- und Bienen-Allergiker in eine lebensbedrohliche Situation zu bringen. Etwa 270.000 Österreicher benötigen daher eine Therapie, doch nur ein Fünftel macht diese auch. "Der Zeitaufwand ist der Hauptgrund dafür", berichtet der Dermatologe Gunter Sturm. In Graz wird nun eine ambulante Therapie getestet, die sieben statt der bisher 15 Wochen dauert.

Noch mehr Menschen zeigen im Fall eines Insektenstichs zumindest eine lokale Hautreaktion, erläutert der Biologe Wolfgang Hemmer, der am Floridsdorfer Allergiezentrum tätig ist. Sobald die Symptome aber über die diese Reaktion hinausgehen, sollten sie fachärztlich abgeklärt werden. Denn handelt es sich um eine sogenannte systemische Reaktion, dann kann sie im extrem mit dem Tod enden, was in Österreich etwa drei Mal im Jahr der Fall ist, sagt der Experte. Auslöser ist mit 70 Prozent mehrheitlich die Wespe, und zwar die sogenannte Gattung der Kurzkopfwespe, da diese Art menschliche Nahrung bevorzugt.

Gehört man zu den Allergikern, dann kann eine Immuntherapie, die "allergen-spezifische Immuntherapie" (AIT), Abhilfe verschaffen. "Eine solche, von der Krankenkasse bezahlte, Therapie ist hochwirksam, denn bei 85 bis 95 Prozent der Patienten ist sie erfolgreich", erläutert Sturm, der an der Medizin-Uni Graz die Forschungsgruppe Klinische Allergologie leitet. Dabei wird das Bienen- oder Wespengift in steigender Dosierung in den Oberarm injiziert. Der Körper gewöhnt sich so an die Substanz und die allergische Reaktion bleibt infolge aus – oder fällt zumindest deutlich schwächer aus.

Behandlung über drei bis fünf Jahre

"Die Therapie ist auch jetzt im Mai noch möglich", sagt Sturm, und auch für die neue, kürzere Therapie in Graz würden noch Patienten gesucht. Die Behandlung muss jedoch jeweils über drei bis fünf Jahre fortgeführt werden. Moderne Methoden ermöglichen es dabei zuvor, gezielt die allergieauslösenden Eiweiße im Insektengift herauszufinden, ergänzte der Biologe Hemmer. Besorgten Eltern, die eine Allergie bei ihren Kindern ausschließen wollen, rät er von einem prophylaktischen Screening aber ab, denn die Ergebnisse sind nicht immer korrekt.

Als weitere Hilfe für Insekten-Allergiker soll zudem die seit heute downloadbare App "Stichalarm" dienen. Sie bietet unter anderem eine Datenbank für die Facharztsuche und Tipps zur Vermeidung von Stichen sowie eine Anleitung für Erste-Hilfe-Maßnahmen. Zudem gibt es Autoinjektoren für Insektenstich-Allergiker, wobei hier laut den Experten oft Mängel bei der richtigen Handhabung herrschen würden.

Patienten, die an der Grazer Studie teilnehmen wollen, können sich von Montag bis Freitag von 10 bis 14 Uhr unter der Nummer 0650 7650326 anmelden.

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  • Auslöser einen Insektenstichallergie ist mit 70 Prozent die Wespe, und zwar die sogenannte Gattung der Kurzkopfwespe, da sie menschliche Nahrung bevorzugt.
    foto: apa/dpa/julian stratenschulte

    Auslöser einen Insektenstichallergie ist mit 70 Prozent die Wespe, und zwar die sogenannte Gattung der Kurzkopfwespe, da sie menschliche Nahrung bevorzugt.

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