Hofers Kuschelauftritt im rechten Eck

Blog11. Mai 2016, 16:15
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Drei Fragen in zweifelhafter Nachrichtenumgebung: FPÖ-Kandidat Norbert Hofer nahm sich Ende April Zeit für ein "Zuerst!"-Interview

In den vergangenen Wochen tat Norbert Hofer viel, um das Deutschnationale abzustreifen und im Wahlkampf als Österreich-Patriot durchzugehen. Hin und wieder brach die Deutschtümelei des FPÖ-Kandidaten dann doch durch – etwa wenn er Odin Wiesinger als Lieblingsmaler bezeichnete oder über Österreichs Staatsgrenzen hinwegsah, als er über Doppelstaatsbürgerschaften für Südtiroler fantasierte.

Aus deutscher Sicht befiehlt die deutschnationale Gesinnung, Wien als eine von vielen deutschen Städten zu betrachten und Österreich quasi als 17. Bundesland. Vielleicht erklärt das, warum ein Interview, das Norbert Hofer am 25. April dem rechten deutschen Magazin "Zuerst!" gegeben hat, in der Rubrik "National" rangiert, anders als andere Auslandsnachrichten: So sind beispielsweise ein lobhudelnder Artikel über die Abschaffung der Antidiskriminierungsbehörde in Polen – "gut für die Meinungsfreiheit" – und eine Serie von Negativberichten über die EU-Asylpolitik (wobei das Wort Flüchtlinge hier immer unter Anführungsstrichen verwendet wird) dem Ressort "International" zugeordnet.

"Erlebe positive Resonanz"

Dieser Erzählstrategie folgend, könnte auch Hofers Gastauftritt in "Zuerst!" eher als "Interview" denn als Interview bezeichnet werden, beschränkt er sich doch auf drei Fragen, die noch dazu so kuschelig klingen, als hätte Hofer-Manager Herbert Kickl sie persönlich formuliert. Unter anderem darf der FPÖ-Hofburgkandidat hier verkünden: "Überall, wo ich hinkomme, erlebe ich große positive Resonanz." Und er prophezeit, "dass sich Neuwahlen abzeichnen, wenn ich Bundespräsident werde". Illustriert ist der Text freundlicherweise mit einem Sujet der Hofer'schen Plakatserie ("Flagge zeigen!").

Das klingt harmlos. Die von dem Schleswig-Holsteiner Verlag Lesen und Schenken herausgegebene Postille schreckt aber auch nicht davor zurück, die NS-Verbrechen zu relativieren: So werden die Nürnberger Prozesse gegen NS-Verbrecher hier als Justizskandal dargestellt, bei dem "ein gerechtes Urteil nicht zu erwarten" gewesen sei. In dem Interview mit dem revisionistischen Historiker Franz W. Seidler heißt es: "Ich kann Wissenschaftler nicht verstehen, die von den Nürnberger Prozessen als erster Stufe einer unparteiischen Völkerrechtssprechung schwadronieren. Es handelte sich um Siegerprozesse und nicht um Rechtsfindung. Von Rache möchte ich nicht sprechen. Die Deutschen hatten nichts getan, was mit den alliierten Bombenangriffen vergleichbar war. Insofern brauchten sich die Sieger nicht zu rächen."

"Rechtsextreme Positionen"

Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) stuft "Zuerst!" als rechtsextrem ein. Die Publikation sei ein "direkter Nachfolger der faschistischen Zeitschrift 'Nation & Europa'", sagt der Politikwissenschafter Bernhard Weidinger vom DÖW auf STANDARD-Anfrage. Es handle sich um den "Versuch eines Verlegers mit NPD-Vergangenheit, rechtsextreme Positionen durch breiten Vertrieb und magazinartige Aufmachung einem breiten Publikum zugänglich zu machen". (Maria Sterkl, 11.5.2016)

  • Norbert Hofer rechnet mit baldigen Neuwahlen, sollte er Bundespräsident werden. (zum Vergrößern klicken)
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    Norbert Hofer rechnet mit baldigen Neuwahlen, sollte er Bundespräsident werden. (zum Vergrößern klicken)

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