Slowakei verteidigt Schüsse auf Schlepperauto

11. Mai 2016, 14:31
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Innenminister : Anzahl der Flüchtlinge an der slowakisch-ungarischen Grenze wieder auf gestiegen – Grenzkontrollen möglich

Bratislava – Der slowakische Innenminister Robert Kalinak hat die Vorgansweise jener Polizisten verteidigt, die unweit der slowakisch-ungarischen Grenze auf Schlepperfahrzeuge geschossen und dabei einen syrischen Flüchtling verletzt hatten. Der Einsatz am Montagabend bei Velky Meder sei nach bisherigen Informationen berechtigt und angemessen gewesen, erklärte Kalinak am Mittwoch in Bratislava.

Slowakische Zollbeamte hatten laut Informationen einer Sprecherin der Finanzverwaltung am 9. Mai unweit der Grenze zu Ungarn vier dicht hintereinander fahrende Autos mit rumänischen und ungarischen Kennzeichen bemerkt. Als sie die verdächtigen Fahrzeuge anhalten wollten, hatte einer der Fahrer die Flucht ergriffen und auch auf Warnschüsse nicht reagiert.

Außer Lebensgefahr

Daraufhin schossen die Beamten in die Hinterreifen des Autos, wobei sie versehentlich eine 26-jährige Frau aus Syrien auf dem Hintersitz verletzten. Die Frau musste notoperiert werden. Sie befindet sich nach Krankenhausangaben außer Lebensgefahr.

"Man kann nicht wissen, was sich im Auto befindet, das Fahrzeug kann zudem auch unschuldige Zivilisten gefährden", sagte der Ressortchef laut Angaben der slowakischen Nachrichtenagentur TASR. Bewaffnete Beamte hätten im Einklang mit Standard-Vorgansweisen das Recht eine Dienstwaffe zu benutzen, wenn ein verdächtiges Fahrzeug nicht anders zu stoppen sei.

Anstieg der Flüchtlingszahlen

Sechs vermutliche Schlepper und weitere zehn illegal eingereiste Flüchtlinge, die sich in den Autos befanden, wurden von den Zöllnern anschließend der Polizei übergeben. Die Flüchtlinge, laut Medienberichten wohl Syrer und Afghanen, sollen in den nächsten Tagen nach Ungarn abgeschoben werden, wie das Innenministerium in Bratislava bekanntgab. Die sechs mutmaßlichen Schlepper aus Ungarn und Rumänien wurden in Haft genommen.

Laut Kalinak wurden in den vergangen Wochen im slowakischen Grenzbereich wieder mehr illegale Flüchtlinge registriert. "Die Zahlen sind ähnlich wie im Vorjahr. Wir werden notwendige Maßnahmen ergreifen", sagte der Minister, wobei er auch Grenzkontrollen nicht ausschloss. Schon zuvor hatte das Innenministerium in Bratislava hingewiesen, Schlepper und Migranten könnten wegen stärkerer Kontrollen der österreichischen Grenze zu Ungarn eine Ausweichroute über die Slowakei suchen. Seit Jahresanfang registrierte die slowakische Polizei bisher 95 illegale Einreisen aus Ungarn, berichtete die slowakische Tageszeitung "Sme". (APA, 11.5.2016)

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