Rassistische Aussagen: ANC will Entlassung weißer Richterin

11. Mai 2016, 19:55
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Vergewaltigungen seien ein Kennzeichen der schwarzen Kultur, schrieb die südafrikanische Richterin Mabel Jansen auf Facebook

Johannesburg – Rassismus ist ein tägliches Phänomen in der südafrikanischen Gesellschaft. Nach 21 Jahren Demokratie öffnen sich die hässlichen, tiefverwurzelten Wunden des ehemaligen Apartheidsystem immer wieder und führen zu scharfen Debatten und Beschimpfungen in den sozialen Medien. Der jüngste Fall macht nun die Runde: Die weiße Richterin Mabel Jansen behauptete, in 99 Prozent der Anklagen seien es schwarze Männer, die Kinder vergewaltigen. Viele der Opfer seien nicht einmal fünf Jahre alt. Auf Facebook schrieb Jansen: "Sie machen es mit ihren eigenen Kindern, Schwestern, Nichten."

"Betrifft das auch Weiße – irgendwie – denn wir nehmen für alles die Schuld auf uns?", fragte Jansen. Und ging noch weiter: Die Neigung zu Gewalttaten und insbesondere zu Vergewaltigungen seien ein Kennzeichen der schwarzen Kultur. Prompt reagierten nicht nur verärgerte Leser auf die rassistischen Aussagen, sondern auch die Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC). Mittlerweile ist die Richterin suspendiert. Ihr droht eine Amtsenthebung.

ANC fordert Abberufung der Richterin

Der ANC fordert, die Richterin müsse von der Arbeit an südafrikanischen Gerichten ausgesperrt werden. "Diese Art von Generalisierung sollte nicht vor Gericht und bei Richtern zu finden sein", sagte ANC-Sprecher Zizi Kodwa. "Leute wie Jansen und Matthew Theunissen wissen nicht die Vergangenheit und Gegenwart dieses Landes zu schätzen. Rassismus hat da keinen Platz." Jansen verteidigte sich, indem sie erklärte, nur auf die Fälle verwiesen zu haben, die bei ihr als Richterin auf dem Schreibtisch landen.

Matthew Theunissens ebenfalls rassistische Bemerkungen hatten vergangene Woche zu einem Ansturm auf Twitter geführt. Der junge Weiße hatte Sportminister Fikile Mbalula auf Facebook als "Kaffer" beleidigt, nachdem der Minister vorgeschlagen hatte, wichtige Rugby-Turniere nicht auszutragen, solange die Schwarz-Weiß-Quoten in den Mannschaften nicht erreicht seien. Die Transformation dieses "weißen Sports" sei in Südafrika noch lange nicht abgeschlossen. Jetzt beschäftigt sich die Menschenrechtskommission mit dem Vorfall.

Furcht vor verfestigtem Rassismus

Im April hatte David Mahlobo, Minister für Staatssicherheit, bereits seine Besorgnis über häufige Fälle von Rassismus im neuen Südafrika geäußert. Es drohe Gefahr für die Sicherheit des Landes, wenn sich Rassismus in Parteien, Institutionen und im Alltag weiter verfestige. "Das ist eine schmerzliche Erinnerung an die Vergangenheit und sorgt für tiefe Spannungen und Konflikte in allen Bereichen des Zusammenlebens." Südafrika könne nicht wirklich frei sein, wenn Rassismus sein hässliches Gesicht an den Universitäten, in den Medien und im privaten und öffentlichen Leben zeige.

Rassistische Vorfälle, die durch die sozialen Netzwerke an die Öffentlichkeit gelangen, gibt es viele: Der schwarze Student Ntokozo Qwabe hatte ebenfalls im April einer weißen Kellnerin das Trinkgeld verweigert, es sei denn, die Weißen würden Land an Schwarze zurückgeben. Anfang des Jahres gab es großen Aufruhr, als Penny Sparrow, Immobilienmaklerin in KwaZulu-Natal, schwarze Strandbesucher mit "Affen, die auf öffentliche Strände losgelassen werden", verglich. Daraufhin erhielt sie Hassmails und Todesdrohungen.

Apartheid nur für Hälfte der weißen Südafrikaner ein Verbrechen

Immer wieder gibt es emotionale Reaktionen, die auf die andauernde Spannung zwischen den ethnischen Gruppen hinweisen. So halten sogar 61,4 Prozent aller Südafrikaner die Beziehungen zwischen den ethnischen Gruppen derzeit für gleich oder schlechter im Vergleich zur Einführung der Demokratie im Jahr 1994, wie eine Studie des Institute for Justice and Reconciliation ergab. Mehr als zwei Drittel der Befragten gaben Anfang des Jahres an, "wenig oder kein Vertrauen" zu Menschen anderer Hautfarbe zu haben. Die Ungleichheit in der Gesellschaft, mangelndes Wirtschaftswachstum und ausbleibende Verbesserungen der Lebensumstände breiter Bevölkerungsschichten tragen dazu bei.

Bei einer Studie desselben Instituts bezeichneten im Jahr 2014 nur 53 Prozent der Weißen die Apartheid als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Zehn Jahre zuvor waren es noch 70 Prozent gewesen. (Martina Schwikowski aus Johannesburg, 11.5.2016)

  • Nach 21 Jahren Demokratie öffnen sich die hässlichen, tiefverwurzelten Wunden des ehemaligen Apartheidsystem immer wieder und führen zu scharfen Debatten und Beschimpfungen in den sozialen Medien.
    foto: istock/oleg elagin

    Nach 21 Jahren Demokratie öffnen sich die hässlichen, tiefverwurzelten Wunden des ehemaligen Apartheidsystem immer wieder und führen zu scharfen Debatten und Beschimpfungen in den sozialen Medien.

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