Raiffeisen-Fusion soll rückwirkend per Juni in Kraft treten

11. Mai 2016, 14:57
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Aufnehmendes Institut wäre die börsennotierte RBI, die RZB würde via Sacheinlage eingebracht

Wien – Noch sind viele heikle Fragen offen, wie die nun auch in die formale Prüfung und Bewertung geschickte Fusion der RZB mit ihrer börsennotierten 60-Prozent-Tochter Raiffeisen Bank International (RBI) im Detail laufen wird. Fest steht, dass in dem Fall die RBI das aufnehmende Institut wäre. Geht alles glatt, würde die Fusion rückwirkend zum 30. Juni 2016 wirksam.

Das hat RBI-Chef Karl Sevelda am Mittwoch im APA-Gespräch skizziert. Ob es bei einer Fusion der RZB mit der RBI bliebe oder ob nicht noch andere – etwa die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien – dazustoßen könnten? Es werde jetzt die Lösung zwischen RZB und RBI verfolgt, "alles andere ist nicht auf der Agenda", sagte Sevelda.

Weniger Streubesitz

Ob das in vielen Jahren einmal anders aussehen wird, will man bei Raiffeisen nicht für alle Zeiten ausschließen. "Aber jetzt ist es einmal so, dass es um eine Fusion von RZB und RBI geht, die geprüft wird", so Sevelda. In dem Fall würde dann die RBI auch das neue Spitzeninstitut für die österreichische Raiffeisen-Geldgruppe. Die Raiffeisen Zentralbank würde in der Raiffeisen Bank International aufgehen.

Der Streubesitz in der RBI würde durch die Transaktion leicht sinken, aber nicht wesentlich, heißt es ohne nähere Angaben zu künftigen Beteiligungsverhältnissen. Die Interessen der Streubesitzaktionäre würden jedenfalls eine Schlüsselrolle bei allen Schritten spielen, versicherte der RBI-Chef heute bei einer Analystenkonferenz.

Ein paar Monate wird evaluiert

Zur Zeit halten die österreichischen Raiffeisenlandesbanken zusammen 90 Prozent an ihrem Spitzeninstitut RZB. Die Raiffeisenlandesbanken wären nach einer Fusion RZB/RBI dann direkt an der RBI beteiligt, weil es in dem Deal ja um eine Sacheinlage gegen Kapitalerhöhung ginge. Gegen Bares kaufen wird die RBI die RZB nicht.

Zum bisherigen Fahrplan: Nach dem gestrigen Beschluss in der RZB, die Verschmelzung zu prüfen, wird das jetzt einmal maximal sechs Monate evaluiert und durchgerechnet. Geht die Rechnung auf, wird auf Basis der Halbjahresabschlüsse 2016 der Merger dann durchgezogen. Vorher sind noch die Hauptversammlungsbeschlüsse (es ist jeweils eine 75 Prozent Zustimmung nötig) einzuholen.

Projektname "R2"

Bis längstens 31. März 2017 muss alles fertig sein für die Eintragung der Fusion, die rückwirkend zum 30. Juni 2016 wirksam werden sollte – wenn denn alles läuft wie die Initiatoren es wollen. Intern trägt das Projekt den Namen "R2".

Vorerst werden jedenfalls Gesellschaftsrechtsexperten und Wirtschaftsprüfer am Zug sein. Jede Seite wird nach ihren Grundsatzentscheidungen unabhängige Experten für Bewertungsgutachten ernennen, für eine finale Beurteilung wird wie immer bei großen Firmenfusionen ein gerichtlich bestellter Verschmelzungsprüfer am Werk sein.

Führung noch unklar

Die RBI hat in Wien derzeit rund 1.800 Beschäftigte, in der Gruppe mit dem Osteuropa-Netzwerk sind es mehr als 51.700 Leute. Die RZB AG (als Holding) beschäftigt selber nur 235. Sie hält freilich ein milliardenschweres Beteiligungsportfolio, neben der größten Tochter (RBI) ist sie u.a. an der Uniqa Versicherung beteiligt sowie an diversen Spezialinstituten wie Bausparkasse, Leasing oder Fondsgesellschaft. Dazu kommt eine Vielzahl kleinerer Beteiligungen im heimischen Finanzgeschehen.

Fragen nach der künftigen und wohl auch gestrafften Führungsmannschaft der neuen fusionierten Bank wurden am Mittwoch ebenfalls noch nicht beantwortet. In der "Raiffeisen Zeitung" hat RZB-Chef Walter Rothensteiner dazu nur festgestellt: "Anders als manchmal in der Politik überlegen wir uns erst, was wir wollen und unterhalten uns dann über Personalien."

Ergebnis verbessert

Indessen präsentierte die RBI auch neue Ergebnisse. Wie es zum Zwischenbericht heißt, hat die RBI (Bilanzsumme: 114,5 Mrd. Euro) ihr Konzernergebnis im 1. Quartal 2016 auf 114 Mio. Euro verbessert, nach 83 Mio. Euro im Vergleichsquartal des Vorjahres und nach einem satten Verlust im Schlussquartal 2015. Bankchef Karl Sevelda nannte das Ergebnis "zufriedenstellend", wenn auch unter dem Eindruck der historisch niedrigen Zinsen, unter denen man in vielen Regionen leide. Die Bank betonte, dass es bis auf Albanien in allen Tochterbanken in Zentral/Ost- und Südosteuropa Gewinne gegeben habe. (APA, 11.5.2016)

  • RBI-Chef Karl Sevelda will die RZB in seinem Institut aufgehen sehen.
    foto: reuters / bader

    RBI-Chef Karl Sevelda will die RZB in seinem Institut aufgehen sehen.

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