Prozess um Krida: Gemeindebauten und ein Ferrari

11. Mai 2016, 12:52
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Nach Korruptionsermittlungen machte ein unschuldiger Unternehmer keine Geschäfte mehr mit der Stadt Wien. Daraufhin zweigte er Geld ab

Wien – Verteidiger Werner Tomanek hat eine gewisse Gabe, unhübsche Dinge hübsch auszudrücken. Das Bildungsniveau seiner Mandantin Slavica S. beschreibt er gegenüber dem Schöffensenat unter Vorsitz von Michael Tolstiuk beispielsweise so: "Sie hat nur ein Jahr Volksschule in Serbien besucht. Da sind von ihr keine besonders komplexen Überlegungen zu erwarten."

Der Hauptvorwurf gegen die 51-Jährige und ihren Ex-Mann Rudolf S.: Sie sollen im Jahr 2008 mehr als 700.000 Euro an Firmengeldern auf private Konten umgeleitet und so Gläubiger geschädigt haben.

Die Geschichte beginnt schon früher. "Der Akt verfolgt mich jetzt schon seit vielen, vielen Jahren", erklärt Tomanek. Herr S. war Geschäftsführer einer großen Baufirma mit rund 100 Mitarbeiten, in der in Wahrheit sein Vater, der Seniorchef, das Sagen hatte. Wichtigster Auftraggeber: Wiener Wohnen, das für die Gemeindebauten zuständige städtische Unternehmen.

"Gelebt wie ein Barockfürst"

Im Jahr 2006 begannen Korruptionsermittlungen gegen Beamte und Geschäftsleute, Bestechung stand im Raum. Als Folge wurde die Firma von S. von der Stadt Wien für Aufträge gesperrt. Das Verfahren wurde eingestellt, öffentliche Aufträge bekam der Erstangeklagte dennoch keine mehr. Was angesichts seines luxuriösen Lebensstils – "er hat in der besten Zeit gelebt wie ein Barockfürst", erläutert Tomanek – suboptimal war.

"Er war immer der Bua, der alles gemacht hat, was der Vater gesagt hat", beschreibt der Verteidiger seinen Mandanten. Auch dieser skizziert: "Ich war der Laufbursche. Früher habe ich selbst auf den Baustellen gearbeitet, dann habe ich mir einen Anzug anziehen müssen – wegen dem Kundenkontakt."

Die sollten bei Laune gehalten werden – etwa mit Rundflügen im Privatflieger, für den S. auf Drängen seines Vaters den Pilotenschein erwarb. Auch der Ferrari und teure Feste "waren nur Show, zur Anbahnung von Geschäften", sagt der Angeklagte. "Ich war ein Papasoldat."

Auch Krankenkassa geprellt

Als das Geschäft nicht mehr lief, begannen die Geldverschiebungen. Laut Gutachter waren es 733.000 Euro, die die Zweitangeklagte teilweise in bar abhob und ihrem Mann wieder gab. 62.800 Euro Sozialversicherungsabgaben blieb er der Gebietskrankenkassa schuldig.

Das berufliche Scheitern führte auch dazu, dass Herr S. "ein massives Alkoholproblem" bekam, wie es Verteidiger Tomanek ausdrückt. Das zu einem weiteren Anklagepunkt führte. Im Jahr 2011 war S. in der Anwaltskanzlei, sein Rechtsvertreter hatte schlechte Nachrichten. Also ging S. nach dem Treffen in ein gegenüberliegendes Lokal. "Dort habe ich zwei Flaschen Schnaps gesoffen, und dann weiß ich nichts mehr."

Gummizelle demoliert

Die Polizei weiß mehr: Der unbescholtene 53-Jährige riss in der Sicherheitszelle, im Volksmund als Gummizelle bekannt, einer Polizeiinspektion das Dämmmaterial von der Wand. Tomanek verbucht einen weiteren Lacher, als er dem Senat erklärt: "Ich habe danach zum Stadthauptmann, den ich schon lange kenne, gesagt: Eure Sicherheitszellen halten nicht, was sie versprechen, wenn einer mit drei Promille die demolieren kann."

Dieses Faktum wird schließlich nicht verurteilt, da S. möglicherweise schon eine Geldstrafe dafür gezahlt hat. Darüber findet sich aber nichts im Akt. Um eine eventuelle Doppelbestrafung zu vermeiden, scheidet Tolstiuk das Faktum aus.

Für die betrügerische Krida und die Schädigung der Gläubiger wird S. rechtskräftig zu 34 Monaten Haft, davon zehn unbedingt, verurteilt, seine Ex-Frau ebenso rechtskräftig zu 24 Monaten bedingt. (Michael Möseneder, 11.5.2016)

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