C-Klasse Coupé: Wohltaten braucht auch das Auge

11. Mai 2016, 11:51
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Labsale werden immer seltener im automobilen Leben. Das hier wäre so eine, eine herzerwärmende inmitten dieses ganzen SUV-Booms. Langgestreckt und einfach nur schön und begehrlich. Mercedes C-Klasse Coupé

Wien – Unsere Wahrnehmung ist so sehr auf Nutzen und Wert konditioniert, dass man mitunter fast erschrocken innehält, sich die Augen reibt und fragt: Was denn, das gibt's auch noch? Ein Auto, teurer als eine Limousine, aber nur mit zwei Türen? Eines, das im Alltag viel weniger Nutzen bringt als eine dieser eierlegenden Wollmilchsäue namens SUV? Eines, in dem man nicht oben wie, Waidmannsheil!, auf einem Hochsitz thront, sondern in das man sich hinunterbegibt beim Be-sitzen? Und schließlich eines, dessen Design nicht wohlstandsverfettet wirkt, sondern rank und schlank und einfach nur schön? Langgestreckt und elegant?

foto: andreas stockinger
Mercedes hat derzeit einen Lauf, das zeigt sich auch beim C-Klasse Coupé. Elegant, komfortabel und ein wenig draufgängerisch. Das Öffnen der breiten Türen beim Parken verlangt allerdings Vorsicht.

Ja doch, und richtig: Das Coupé lebt, diese ästhetischste aller automobilen Formen. Besonders verdient macht sich derzeit Mercedes um diese Kategorie, mit S-Coupé, C-Coupé. Letzteres durften wir uns genauer ansehen, und zwar das Basismodell: C 220 d Coupé.

Schönheit ist nicht billig

Fazit vorweg: Schönheit kann man kaufen, und da ist nicht kosmetische Chirurgie gemeint. Wobei gleich eingeschränkt sei, dass das selbst im C-Klasse-Fall nicht billig wird, schließlich reden wir hier von Mercedes, und die haben auch in diesem Kapitel eine Tradition zu wahren, zu pflegen, kurz: Auf 41.350 Euro kommt der Wagen alser Nackerter, im Testwagenfall summierte sich das mit ein paar netten Extras (etwa der 9-Gang-Automatik) auf 59.240 Euro.

foto: andreas stockinger
Auch der Rücken kann entzücken, und innen setzt sich der ästhetische Genuss ungebremst fort.

Dafür aber: Genuss der Extraklasse. Das Auge wird nicht nur von der Außenerscheinung umschmeichelt, auch innen herrscht Stilsicherheit bis ins Detail. Feines, dunkles Leder, hellgrau vernäht. Gemasertes schwarzes Eschenholz in der Mittelkonsole, mit dem Alurahmen, -lüftungsdüsen und Klavierlackbedienoberflächen wunderbar kontrastieren. Auch links und rechts diese große schwingende Fläche gebürsteten Aluminiums mit integrierten Lautsprechern: vom Feinsten.

Da wir schon Platz genommen hatten, taten wir dies auch hinten – wollen das aber nicht allzu oft wiederholen. Nicht, dass es sich dort ästhetisch unzufriedenstellend hauste. Nein, aber das Fahrzeugkonzept zeigt dir halt rasch die Grenzen nach oben auf, Kopffreiheit und so. Ge.Sch.Enkt. Denn, wie gesagt: Wohltat Coupé.

foto: andreas stockinger

Zu dem wollte der Testwagenmotor nicht ganz so perfekt passen, vor allem hinsichtlich Klangbild. Performance und Verbrauch hingegen waren eh schwer in Ordnung. Der 170-PS-Diesel brauchte im Test 6,0 l / 100 km und ging dabei mit bereitwilligem Vorwärtsdrang ans Werk. Die dazu gereichte 9-Gang-Automatik ist ebenfalls große Klasse, da merkt man erst, wie alt die abgelöste 7-gängige inzwischen aussieht (die wiederum seinerzeit eine Offenbarung war gegenüber dem Vorgänger). Das Bessere ist eben des Guten Feind, und die Technik schreitet voran. Plattitüden, klar, aber wahr.

Straff und direkt

Im Fahrkapitel ist das C-Coupé der Direktheit verpflichtet. Superdirekte Lenkung (nur der Volantradius könnte nach des Testers Gusto einen Tick kleiner sein), geschmeidig-straffes Fahrwerk, und diese Gewaltentrennung – vorne lenken, hinten antreiben – weiß man je mehr zu schätzen, je seltener sie wird. Famoses Auto. Geben wir erst wieder her, wenn wir im Austausch eines mit g'schmackigem Benziner kriegen. AMG C 63 S zum Beispiel. (Andreas Stockinger, 11.5.2016)

Nachlese:

E-Klasse: Vom Biedermann-Vehikel zum Kult-Auto

BMW 4er Gran Coupé: Edle Vielfalt, stille Größe

Cadillac ATS Coupé: Scharf auf Kante

Link

Mercedes-Benz

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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