Flüchtlinge versuchen zurück in die Türkei zu schwimmen

11. Mai 2016, 10:41
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Sechs Männer ohne Chance auf Asyl wollen nun über andere Wege nach Mitteleuropa gelangen

Athen – Sechs Flüchtlinge haben seit Montag versucht, von der griechischen Insel Chios zurück in die Türkei zu schwimmen. Wie ein Offizier der griechischen Küstenwache der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch bestätigte, handelte es sich um fünf Marokkaner und einen Algerier.

Die Menschen hätten keine Chance auf Asyl gehabt und wollten zurück in die Türkei, um von dort aus auf anderen Wegen nach Mitteleuropa zu gelangen.

Griechische Medien zeigen ein Video von einer solchen Aktion. Die Bilder sind dramatisch: Mit Schwimmwesten ausgestattet, kämpfen drei Menschen im Meer, im Hintergrund ist die türkische Küste zu sehen.

"Absurd und höchst gefährlich"

Rettungskräfte sammeln die Männer wieder ein – sie waren dem griechischen Offizier der Küstenwache zufolge bereits nach wenigen hundert Metern vom Kurs abgekommen. "Das Vorhaben ist absurd und höchst gefährlich, die Strecke ist rund 15 Kilometer lang es gibt starke Strömungen. Das schaffen nur wirklich gute Schwimmer, die sich auf solch eine Strecke vorbereitet haben", sagte er.

Marokkaner und Algerier haben in der Regel keine Aussicht auf Asyl. Den Angaben zufolge wollten die Männer deshalb nicht auf offiziellem Wege auf Chios registriert und im Rahmen des europäisch-türkischen Flüchtlingspakts in die Türkei zurückgeschickt werden. Stattdessen hätten sie darauf gesetzt, unbemerkt die türkische Küste zu erreichen und von dort aus auf einem anderen Weg – etwa über Bulgarien oder in Frachtern über das Mittelmeer – erneut die Reise nach Mitteleuropa zu versuchen.

Impfungen für Flüchtlingskinder

Unterdessen will die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Zusammenarbeit mit den griechischen Behörden Flüchtlingskinder mit Impfungen vor Krankheiten schützen. "Wir werden rund 5000 Kinder impfen, vom sechs Wochen alten Kleinkind bis zum 15-jährigen Teenager", sagt Katy Athersuch von Ärzte ohne Grenzen in Idomeni. Dort im improvisierten Flüchtlingslager an der griechisch-mazedonischen Grenze findet der Auftakt der Aktion statt.

"Wir impfen nicht, weil irgendeine Krankheit ausgebrochen ist, sondern vorbeugend, und zwar gegen jene zehn Krankheiten, gegen die eigentlich jedes Kind in Europa geimpft sein sollte", erklärt Athersuch. Dazu gehörten unter anderem Polio, Mumps, Hepatitis B und Tetanus. Sechs Teams von Ärzte ohne Grenze sowie Vertreter der griechischen Behörden werden nach und nach in Flüchtlingslagern im ganzen Land Impfungen vornehmen. Arbeitsintensiv sei vor allem die Aufklärung der Menschen über die Impfungen, sagte Athersuch. (APA, 11.5.2016)

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