Sanders siegt auch in West Virginia gegen Clinton

11. Mai 2016, 14:07
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Niederlagen in einzelnen US-Staaten machen Clintons Wahlkampf und Image zu schaffen – Sieg auch für Trump

Washington – Bei den Vorwahlen der Demokraten im US-Staat West Virginia hat sich in der Nacht auf Mittwoch Senator Bernie Sanders gegen Ex-Außenministerin Hillary Clinton durchgesetzt. Der Senator aus Vermont lag am Dienstag nach Auszählung von 97 Prozent der Stimmen mit gut 51 Prozent deutlich vor seiner Rivalin im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur, die nur auf 36 Prozent kam.

Da die Delegierten des Staates für das Gesamtrennen aber anteilig der gewonnenen Stimmen verteilt werden, hat Sanders gegen Clinton kaum Boden gutmachen können. In West Virginia ging es nur um insgesamt 29 Delegierte. Diese wurden proportional vergeben, sodass die früheren Außenministerin nur wenige Stimmen verliert. Clinton liegt insgesamt weiter mehrere Hundert Delegiertenstimmen vor ihrem Konkurrenten.

Clinton fehlen nur noch wenige Delegierte

Clinton fehlen jedoch nur noch rund 160 der für ihre Nominierung nötigen Delegiertenstimmen. Diese dürfte sie bei den acht noch ausstehenden Vorwahlen leicht zusammenbekommen. Dennoch hatte Sanders angekündigt, "bis zur letzten Stimme" zu kämpfen. Sanders, der sich als "demokratischer Sozialist" bezeichnet, kommt vor allem bei jungen Wählern gut an.

Für eine Überraschung sorgte bei der Wahl in West Virginia Paul Farrell, ein Anwalt aus der Stadt Huntington, der nach eigener Aussage Aufmerksamkeit darauf richten will, dass sich die Demokratische Partei von den Werten der Wähler in West Virginia entfernt habe. Als Beispiel sieht er die Abwendung vom Kohleabbau unter der Regierung von Präsident Barack Obama. Farrell erreichte nach Auszählung aller Stimmen fast acht Prozent. Farrell will allerdings in keinem anderen Bundesstaat kandidieren.

Farrells Erfolg und die Niederlage von Hillary Clinton bei den Vorwahlen der US-Demokraten im Staat West Virginia hat den schweren Stand der Ex-Außenministerin in den Industrieregionen des Landes unterstrichen. Clintons Niederlage in West Virginia war erwartet worden. Der US-Staat mit etwa 1,9 Millionen Einwohnern – etwas weniger als Wien – gilt als konservativ. Zudem hatte Clinton im März in Ohio mit der Bemerkung für Aufsehen gesorgt, dass im Zusammenhang mit dem von ihr unterstützten Energiewandel viele Zechen schließen und Bergleute ihre Jobs verlieren würden. Davon wäre auch West Virginia betroffen. Vor der Abstimmung in dem Staat im Osten entschuldigte sie sich wiederholt für das Zitat und erklärte, es sei aus dem Zusammenhang gerissen worden. Wichtiger als West Virginia sind für die eigentliche Präsidentenwahl die anderen Staaten des sogenannten "rust belt" ("Rostgürtel"), besonders Ohio und Pennsylvania.

Stimmen für die Aussteiger

Bei den Republikanern gewann Donald Trump die Wahlen in West Virginia und im US-Staat Nebraska. Er hat keinen Gegenkandidaten mehr, seitdem sich nach der jüngsten Vorwahl in Indiana seine Konkurrenten Ted Cruz und John Kasich zurückgezogen hatten.

Dennoch bekamen die beiden Aussteiger am Dienstag zusammen niedrige zweistellige Zustimmung. Die Demokraten haben in Nebraska bereits im März gewählt.

Trump nähert sich mit den am Dienstag gewonnenen Delegierten der Schwelle von 1.237: Das ist die Mehrheit aller Delegierten, die über Monate in den Vorwahlen aller US-Staaten erreicht werden muss, um sich die Kandidatur zu sichern.

Ein weiter Weg für Sanders

Der umstrittene New Yorker Milliardär und politische Quereinsteiger Trump war bereits vor diesem Wahldienstag der voraussichtliche Präsidentschaftskandidat der Republikaner.

Cruz, Senator von Texas, schloss am Dienstag aus, als unabhängiger Kandidat wieder in das Rennen ums Weiße Haus einzusteigen.

Für Sanders, der sich als demokratischen Sozialisten bezeichnet, bleibt das Rennen um die Kandidatur seiner Partei rechnerisch beinahe aussichtslos. Er müsste bei den verbleibenden Wahlen rund 66 Prozent aller Delegierten holen, um Clinton einzuholen. Außerdem müsste er die Mehrheit der sogenannten Superdelegierten auf seine Seite ziehen. Von diesen haben aber die allermeisten bereits erklärt, für Clinton stimmen zu wollen.

Gute Umfragewerte für den Sozialisten

Clintons Problem und Sanders' Antrieb sind aber auch neue Umfragen, in denen Sanders in einem direkten Vergleich mit Donald Trump klar besser abschneidet.

Trump nutzt das Ringen der Demokraten weidlich aus. Er sagte, Clinton bekomme es nicht einmal hin, sich gegen einen einzigen innerparteilichen Konkurrenten durchzusetzen.

Der nächste Wahltag ist der kommende Dienstag. In Oregon stehen Abstimmungen beider Parteien bevor, in Kentucky wählen nur die Demokraten. (red, APA, Reuters, 11.5.2016)

  • Freude über den Sieg bei Bernie Sanders ...
    foto: reuters / jim urquhart

    Freude über den Sieg bei Bernie Sanders ...

  • ... und seinen Anhängern.
    foto: apa / afp / rob kerr

    ... und seinen Anhängern.

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