Motten rufen Fledermäusen zu, dass sie ungenießbar sind

15. Mai 2016, 13:56
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Arctiinae setzen auf eine Doppelstrategie, um sicherzugehen, dass die lebensrettende Botschaft ankommt

Winston-Salem – Aposematismus bezeichnet eine in der Tierwelt weit verbreitete Strategie, Fressfeinde abzuschrecken: Von Pfeilgiftfröschen über Korallenottern bis zu verschiedenen Insektenraupen und Fischen signalisieren Tiere mit grellen Warnfarben, dass sie giftig sind und daher besser gar nicht erst der Versuch gestartet werden sollte, sie anzugreifen. Und es gibt sogar Trittbrettfahrer des Effekts: Tiere, die keineswegs ungenießbar wären und sich trotzdem mit Signalfarben durchs Leben schummeln – etwa die harmlose Scharlachnatter.

"Tigermotten", buntgefärbte Nachtfalter aus der Gruppe der Arctiinae, setzen mit ihrer bunten Färbung ebenfalls auf diesen Effekt. Sie nehmen, noch während sie im Raupenstadium sind, Giftstoffe aus den Pflanzen auf, die sie befallen, und speichern diese Substanzen im Körper.

Warnbotschaften auf mehreren Kanälen

Die beste Warnfarbe hilft allerdings nichts, wenn sie nicht gesehen wird. Die Motten würden ins Beuteschema von Fledermäusen passen, und die orientieren sich auf ihrer nächtlichen Jagd rein akustisch. Aber auch auf diesem Kanal senden die Motten ihre Botschaft, wie Forscher der privaten Wake Forest University in "PLOS ONE" berichten.

Das Team um Nick Dowdy berichtet nach Freilandbeobachtungen, dass Motten der beiden Spezies Pygarctia roseicapitis und Cisthene martini den Fledermäusen Warnungen im Ultraschallbereich zurufen. Die Forscher sprechen von akustischem Aposematismus. In Laborversuchen wurde dies bereits festgestellt, nun liegt die Bestätigung aus der freien Wildbahn vor.

Die Forscher sehen in diesem Verhalten letztlich einen Weg, Energie zu sparen. Andere Motten müssen versuchen, angreifenden Fledermäusen mit akrobatischen Manövern zu entgehen. Die Tigermotten können sich diesen Energieaufwand sparen.

Sonar-Blockade

Außerdem glaubt das Team um Dowdy, dass in diesen Abschreckungsrufen der evolutionäre Ursprung einer noch spektakuläreren Fähigkeit steckt: Bei einer im Südwesten der USA lebenden Mottenspezies, Bertholdia trigona, wurde vor einigen Jahren nämlich festgestellt, dass sie durch extrem schnelles Ausstoßen von Ultraschallsignalen die Echoortung von Fledermäusen blockieren kann: ein echtes Highlight im ewigen evolutionären Wettrüsten von Jäger und Beute. (red, 15. 5. 2016)

  • Die Motte Cisthene martini legt Wert auf ihre Ungenießbarkeit.
    illustration: joseph scheer

    Die Motte Cisthene martini legt Wert auf ihre Ungenießbarkeit.

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