"Man darf die Klubs nicht sterben lassen"

10. Mai 2016, 17:07
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Bundesliga-Chef Hans Rinner wünscht sich eine Profiliga mit zwölf Vereinen und eine zweite Klasse mit 16. ÖFB-Prsident Leo Windtner warnt vor einem Schnellschuss, sieht aber auch Gefahr in Verzug

Wien – Hans Rinner, der Präsident der österreichischen Fußballbundesliga, stellt fest: "Was der Weisheit letzter Schluss ist, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass dringend Handlungsbedarf besteht." Die zwei mehr oder weniger professionellen Zehnerligen dürften ausgedient haben. Sportlich, sagte Rinner zum Standard, seien sie ja okay gewesen. "Aber man kann nicht mehr länger zuschauen, wie die Klubs speziell in der zweiten Klasse wegbrechen. Irgendwann werden sich nur mehr 14 Vereine um eine Lizenz für die 20 Plätze bewerben – weil die Auflagen, die für einen Profibetrieb absolut notwendig sind, sie ruinieren. Man darf die Klubs nicht sterben lassen." Die Zehnerliga wurde 1993 eingeführt, 1998 auch der Unterbau auf zehn Vereine reduziert.

Am Montagnachmittag tagte in Wien der Aufsichtsrat der Bundesliga. Es wurde nichts beschlossen, aber es wurde laut nachgedacht. Ab der Saison 2017/18 soll das Oberhaus auf zwölf Teams, das Unterhaus auf 16 aufgestockt werden. Oben ist ein Grunddurchgang mit 22 Runden geplant, ihm soll eine Halbierung in Meister- und Abstiegsplayoff folgen. Ein Klub stiege ab. In der 16er-Liga, die eine Mischung aus Amateur- und Halbprofi-Betrieb sein soll, würden sich pro Saison drei Vereine verabschieden. Die drei Regionalligameister rückten nach. Die Abwicklung ginge in den Verantwortungsbereich des Fußballverbandes (ÖFB) über. Rinner: "Das hat nichts mit Machtverlust zu tun, es geht ums Miteinander, ums Wohl des Fußballs. Natürlich leisten wir einen Beitrag." Die Anzahl der Spieltage müsste in beiden Ligen reduziert werden, von 36 auf 32 beziehungsweise 30. Rinner: "Verschmerzbar."

ÖFB-Präsident Leo Windtner warnt vor einem "Schnellschuss. Jahrelang hat es geheißen, die Zehnerligen sind in Stein gemeißelt. Das wirkt jetzt leicht panisch." Wobei auch Windtner Gefahr im Verzug sieht. "Es gehören Nägel mit Köpfen gemacht", sagte er dem Standard. "Die Schnittstellen und die Durchlässigkeit zwischen Amateuren und Profis sind das Problem." Der ÖFB habe im Prinzip nichts dagegen, die Schirmherrschaft zu übernehmen. "Wenn wirtschaftliche Fragen geklärt sind. Wie schaut es mit den Fernsehverträgen und Sponsoren aus? Kann man überleben?"

Erbarmen erhofft

Rinner sagte, Sponsoren und TV-Sender seien in den Prozess eingebunden. Aber auch der Ligachef weist auf die Problematik hin: "Wer zeigt das Abstiegsplayoff? Ist es verkaufbar?" Bisher kassierte die Sky Go Liga 22 Prozent der Gelder, die rund 14 Millionen Euro pro Jahr betragen. Ob sich ein Sender erbarmt, die 16er-Liga zu übertragen, ist offen. Schon die aktuell fünf Spiele haben den Aufwand nicht wirklich gerechtfertigt. In Zukunft wären es acht. Windtner. "Das gehört analysiert."

Einen Verlust von Arbeitsplätzen, darin sind sich Windtner und Rinner einig, sei nicht zu befürchten. Windtner: "Die zweiten Mannschaften der Profiklubs von Salzburg, Austria oder Rapid könnten mittun – sofern sie sich qualifizieren." Derzeit müssen sie in der Regionalliga kicken. Ob die Zuschauerzahlen nach der Reform steigen, ist ungewiss. Rinner weiß nur, "dass sie im aktuellen Format sinken". Dass Talente in Zukunft noch früher in Ausland wechseln, hat für Rinner wenig mit dem Ligaformat zu tun. "Die Schere geht immer weiter auf, man muss ja nur die Champions mit der Europa League vergleichen. Es ist das Ziel, dass gute Spieler ihre Karrieren in der Bundesliga beginnen. Zlatko Junuzovic ist das beste Beispiel, er brachte es bei uns auf 100 Einsätze."

Am 31. Mai sollten bei der Hauptversammlung die Weichen gestellt werden. Für eine Änderung ist eine Zweidrittelmehrheit nötig. Klubs aus der tipico-Liga haben je fünf, aus der Sky Go je drei Stimmen. Rinner: "Ich gehe davon aus, dass es klappt." Windtner wird sich mit den Landespräsidenten abstimmen, die das Ganze absegnen müssten. Die nächste Saison könnte nicht gerade spektakulär geraten. Zwei aus der Sky Go stiegen auf, der Letzte aus dem Oberhaus bestritte die Relegation gegen den Dritten. Es gebe also keinen Fixabsteiger.

Hans Rinner verspricht, "dass in einer Zwölferliga die Lizenzkriterien verschärft werden". Leo Windtner freut sich auf die Europameisterschaft in Frankreich. (Christian Hackl, 10.5.2016)

  • Der 53-jährige Hans Rinner ist seit 2009 Präsident der Bundesliga.
    foto: apa/gindl

    Der 53-jährige Hans Rinner ist seit 2009 Präsident der Bundesliga.

  • Der 65-jährige Leo Windtner ist seit 2009 Präsident des Fußballbundes.
    foto: apa/techt

    Der 65-jährige Leo Windtner ist seit 2009 Präsident des Fußballbundes.

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