Münchner Professor soll IHS-Chef werden

11. Mai 2016, 06:00
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Nach Monaten des Verhandelns steht fest, wer Chef des Instituts für Höhere Studien werden soll: Martin Kocher von der Universität München

Wien – Eigentlich sollte Ende April bereits feststehen, wer das Institut für Höhere Studien (IHS) ab Herbst leiten wird. So weit ist es aber noch nicht. Nach Monaten des Verhandelns steht nun zumindest fest, wen sich das IHS-Kuratorium als neuen Chef des für seine Konjunkturprognosen bekannten außeruniversitären Forschungsinstituts wünscht: Es ist Martin Kocher, Professor an der Volkswirtschaftlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München.

Ob der 42-Jährige tatsächlich an das in der Wiener Josefstädter Straße domizilierende IHS kommt, hänge im Prinzip nur mehr von einer Entscheidung ab, die allerdings ziemlich maßgeblich ist: Es geht um die Frage, ob die Fakultätsgremien der LMU einer Karenzierung Kochers zustimmen. Das sei derzeit leider noch nicht absehbar, verlautet aus dem IHS-Kuratorium.

Erstgereihter auf Shortlist

Mit IHS-Präsident Franz Fischler ist der Ökonomieprofessor – er hat den Lehrstuhl für Verhaltensökonomik und experimentelle Wirtschaftsforschung inne – dem Vernehmen nach "im Prinzip handelseins". Eine Bestätigung Fischlers gibt es dafür nicht. Der IHS-Präsident wollte die laufenden Verhandlungen auf Anfrage des STANDARD nicht kommentieren, um diese nicht zu gefährden.

Klappt die angepeilte Berufung Kochers nach Wien, bekäme das IHS den von der eigens für die Suche nach Kandidaten eingerichteten dreiköpfigen wissenschaftlichen Findungskommission vorgeschlagenen Wunschkandidaten. Kocher war auf der Ende Jänner vorgelegten Shortlist erstgereiht. Als IHS-Chef bekäme er einen Fünfjahresvertrag, den er idealerweise nach dem Sommersemester 2016 antreten sollte. Die Usancen des politisch nicht unheiklen Jobs als IHS-Chef sollten Kocher nicht gänzlich fremd sein. Er studierte in Innsbruck Volkswirtschaft und habilitierte dort 2007. Nach Studienaufenthalten in Amsterdam, Brisbane und München wurde er 2011 an die LMU berufen.

München muss grünes Licht geben

Kommt aus München grünes Licht, kann das IHS-Präsidium unter seinem Präsidenten Fischler und dessen Vize Caspar Einem rasch zusagen, denn das Leitungsgremium verfügt über einen Vorratsbeschluss des Kuratoriums.

Einen Plan B – falls Kocher doch nicht zur Verfügung steht – gibt es dem Vernehmen nach nicht. Die Nummer drei auf der Shortlist, Wirtschaftsprofessor Klaus F. Zimmermann von der Universität Bonn, steht nicht mehr zur Verfügung, verkündete das IHS-Kuratorium. Zweitgereiht war Bernhard Kittel vom Institut für Wirtschaftssoziologie an der Universität Wien. Einen Teilzeitprofessor wie Vorgänger Christian Keuschnigg will man am IHS nicht, er dürfe höchstens Dissertanten betreuen. (Luise Ungerboeck, 11.5.2016)

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