Botaniker kennen aktuell 390.900 Pflanzenarten

11. Mai 2016, 10:15
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Neue Bestandsaufnahme der wissenschaftlich beschriebenen Flora präsentiert – 21 Prozent davon sind bedroht

foto: paulo gonella
Drosera magnifica ist die größte Sonnentauart Amerikas. Die Spezies wurde im Vorjahr in Brasilien entdeckt.

London – "Es gibt immer noch tausende Pflanzenspezies, die unbekannt sind", sagt Kathy Willis, wissenschaftliche Leiterin der berühmten Royal Botanic Gardens, Kew. Mit ihren Kollegen hat sie in einem neuen Bericht die aktuellste Zählung der bekannten Arten vorgelegt und kommt dabei auf 390.090, knapp 370.000 davon blühen.

Ein Fünftel dieser Pflanzen ist der Studie zufolge vom Aussterben bedroht. Als größte Bedrohung nannten die Wissenschafter die Landwirtschaft, die 31 Prozent des Gesamtrisikos ausmache. Die Abholzung macht demnach 21,3 Prozent des Risikos für die weltweite Vegetation aus, Bauarbeiten 12,8 Prozent. Der Klimawandel und Wetterextreme machen laut der Studie knapp vier Prozent des Risikos aus – allerdings räumen die Forscher ein, dass die Auswirkungen des Klimawandels noch nicht endgültig erfasst sind. Weitere Bedrohungen für Pflanzen gehen demnach von Schädlingen, dem Dammbau und Bränden aus.

Medizinisch nutzbar

Allein im Vorjahr kamen 2.034 neue Spezies dazu, darunter etwa die immerhin 45 Meter hohe Baumart Gilbertiodendron maximum in Gabun, 90 neue Begonien-Arten oder die in Brasilien lebende fleischfressende Pflanze Drosera magnifica (im Bild oben), die via Facebook "entdeckt" wurde.

17.810 Pflanzen der bekannten Arten haben der Studie zufolge einen medizinischen Nutzen. Die meisten Neuentdeckungen habe es in Australien, Brasilien und China gegeben. In der Studie wurden 1.771 Weltgegenden als "wichtige Pflanzengegenden" identifiziert. Von diesen Gegenden verfügten nur wenige über Maßnahmen für die Konservierung der Flora, heißt es.

Eine solche Zustandsbeschreibung der weltweiten Pflanzen habe es noch nicht gegeben, sagte die Forschungsdirektorin der Kew Gardens, Kathy Willis. "Wenn man bedenkt, wie wichtig Pflanzen für das Wohlergehen der Menschen, für Ernährung, Energie und die Klimaregulierung sind, ist es wichtig, dass wir wissen, was passiert."

Großer Schritt nach vorne

Der Botanikpark Kew Gardens, der in seinen Gewächshäusern und Gärten über die weltweit größte Pflanzensammlung verfügt, will nun jedes Jahr einen solchen Zustandsbericht veröffentlichen. An der am Dienstag veröffentlichten Studie waren nach Angaben eines der Autoren, Steve Bachman, mehr als 80 Wissenschafter beteiligt. Es sei ein "großer Schritt nach vorne", das bestehende Wissen in einer gekürzten und lesbaren Version zusammenzufassen, sagte er.

Bachman forderte, dem Artenschutz von Pflanzen eine ebenso große Aufmerksamkeit zu schenken wie dem Artenschutz bei Tieren. "Wir sorgen uns um den Zustand der Vögel der Welt, aber nicht um den Zustand der Pflanzen der Welt", sagte er. (APA, red, 11.5.2016)

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