Türkei: Drei Tote nach Anschlag in Diyarbakir

10. Mai 2016, 16:27
3 Postings

Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand – EGMR verurteilt Türkei wegen tödlichen Schusses auf Kurden

Ankara – Bei einem Autobombenanschlag in der südosttürkischen Kurdenmetropole Diyarbakir sind mindestens drei Menschen getötet worden. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf das Büro des Gouverneurs in Diyarbakir. Demnach wurden 45 Menschen verletzt, zwölf davon Polizisten. Der Sprengsatz explodierte im Bezirk Baglar, als ein Polizeibus vorbeifuhr, wie die Nachrichtenagentur DHA am Dienstag meldete. In der Nähe des Explosionsortes sei auch ein Teegarten.

Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand, die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK verübt aber immer wieder Anschläge auf Sicherheitskräfte. In der Südosttürkei geht die türkische Armee im Rahmen ihres Anti-Terror-Einsatzes gegen die PKK vor. Die Vereinten Nationen erklärten am Dienstag, Berichten zufolge seien in der südosttürkischen Stadt Cizre bei Operationen von Sicherheitskräften mehr als 100 Menschen bei lebendigem Leib verbrannt worden.

EGMR: "Unangemessene Anwendung von Gewalt"

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat Ankara indes wegen des tödlichen Schusses auf einen Kurden im Jahr 2008 im Südosten der Türkei verurteilt. Die Straßburger Richter gaben am Dienstag dem Vater des Getöteten Recht, der den türkischen Sicherheitskräften unangemessene Anwendung von Gewalt vorgeworfen hatte. Die Regierung in Ankara wurde angewiesen, dem 68 Jahre alten Vater 65.000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der junge Mann war im August 2008 nahe der Stadt Mardin auf dem Weg zu einem Picknick mit seiner Familie von einem Soldaten erschossen worden. Nach Angaben türkischer Behörden wurde er seit über einem Jahr wegen mutmaßlicher Zugehörigkeit zur PKK gesucht. Die türkischen Sicherheitskräfte versicherten, sie hätten zunächst einen Warnschuss abgegeben. Die Familie des Getöteten bestreitet dies. (APA, 10.5.2016)

  • Einsatzkräfte nach dem Anschlag in Diyarbakir am Dienstag.
    foto: reuters/sertac kayar

    Einsatzkräfte nach dem Anschlag in Diyarbakir am Dienstag.

Share if you care.