Studie zweifelt an der Vorstellung vom "Killer-Walross"

14. Mai 2016, 19:00
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Die Zähne von Pelagiarctos thomasi waren beeindruckend – doch zur Jagd auf andere Säugetiere eher nicht geeignet

Dunedin – Unter den 34 Robbenarten steht eine Spezies allen anderen gegenüber: Das Walross ist der letzte lebende Vertreter der Odobenidae, einer Familie, die früher noch eine ganze Reihe von Arten umfasste. Inklusive einer, der man den Spitznamen "Killer-Walross" verliehen hatte – wohl zu Unrecht, wie eine aktuelle Studie ergeben hat.

Pelagiarctos thomasi lebte vor 13 bis 15 Millionen Jahren an der Küste Kaliforniens. Die gefundenen Fossilien – Teile von Kiefern – deuten auf ein 2,5 bis 3 Meter langes Tier mit kräftigem Gebiss hin. Forscher zogen Parallelen zwischen dem 1988 erstbeschriebenen Tier und dem heutigen Seeleoparden, der Jagd auf Pinguine und andere Robben macht. Pelagiarctos thomasi wurde ein vergleichbarer Lebensstil zugeschrieben und die Idee vom "Killer-Walross" war geboren: Ein krasser Unterschied zu seinem heute lebenden Verwandten, der den Meeresboden nach Muscheln, Krabben, Stachelhäutern und anderen kleinen Tieren abweidet.

Nicht geeignet zum Zerbeißen von Knochen

Forscher der neuseeländischen University of Otago verglichen für ihre in "The Science of Nature" erschienene Studie den Zahnschmelz von Pelagiarctos mit dem heutiger Robbenarten. Die Untersuchungen mit dem Elektronenmikroskop ergaben, dass die Zähne es nicht überstanden hätten, regelmäßig auf oder gar durch Säugetierknochen zu beißen.

Dafür zeigte die Zahnschmelzstruktur laut dem Team um Carolina Loch Parallelen zur Bezahnung von Seelöwen oder Seebären. Das vermeintliche "Killer-Walross" dürfte sich daher ähnlich wie diese von weicherer Beute ernährt haben – von Fischen und Kopffüßern. (red, 14. 5. 2016)

  • Pelagiarctos thomasi sah vielleicht nicht so aus, doch er war ein naher Verwandter des Walrosses.
    illustration: robert boessenecker

    Pelagiarctos thomasi sah vielleicht nicht so aus, doch er war ein naher Verwandter des Walrosses.

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