Industriellenvereinigung will für Lehrer erst Fachstudium, dann Pädagogik

10. Mai 2016, 14:05
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Mehr Selektion in Lehrerausbildung, um "reife Persönlichkeiten" zu finden – Außerdem mehr Autonomie und neues Dienstrecht nötig

Wien – Eine reife Persönlichkeit mit einer fundierten Fachausbildung ist für die Industriellenvereinigung (IV) Voraussetzung dafür, dass Pädagogen mit den zunehmenden Herausforderungen in Kindergarten und Schule umgehen können. Lehrer der Sekundarstufe sollen deshalb künftig erst ein Fachstudium absolvieren müssen, bevor sie nach einem Auswahlverfahren die pädagogische Ausbildung beginnen können.

Derzeit hätten Lehrer zum Teil eben nicht jene reife Persönlichkeit, betonte IV-Präsident Georg Kapsch am Dienstag bei der Präsentation des Positionspapiers "Die Pädagogen der Zukunft: Leitbild, Handlungsempfehlungen und Maßnahmen". Die Ausbildung der Lehrer wurde zwar gerade erst reformiert, Kapsch gehen die beschlossenen Änderungen – etwa Aufnahmeverfahren für alle, verpflichtende Kooperation mit den Unis im Bereich der Sekundarstufe (Neue Mittelschule/NMS, AHS, BMHS etc.) – allerdings nicht weit genug. Es brauche eine bessere Überprüfung der Eignung von Interessenten.

PHs sollen in Universitäten aufgehen

Die pädagogische Ausbildung derer, die dann ausgewählt werden, soll aus Kapschs Sicht an den Unis passieren. Die Pädagogischen Hochschulen (PH), an denen die Volksschul- und Sekundarlehrer ausgebildet werden, seien "mittelfristig an die Unis heranzuführen" und als separate Einrichtungen aufzulösen.

Neben einem Schwerpunkt auf das Fachstudium und stärkere Selektion soll es laut dem IV-Papier auch mehr Quereinsteiger in pädagogische Berufe geben. Weitere Forderungen: Mehr Autonomie für Schulen und Kindergärten, auf die die Pädagogen auch in Fort- und Weiterbildungen vorbereitet werden sollen, sowie ein "leistungsförderndes Dienstrecht". Langfristig sollen Lehrer dann überhaupt im normalen ASVG-Dienstrecht landen und sich auf einem offenen Arbeitsmarkt Stellen suchen können.

Kritik an "überkommenen" Strukturen im Dienstrecht

Die erst 2013 beschlossene Dienstrechtsreform ist für Kapsch zu wenig, immerhin würden darin gerade Strukturen wie die "überkommenen" 50-Minuten-Einheiten festgeschrieben. Die angekündigte Schulreform der Regierung macht ihm ebenfalls keine Hoffnung. Schon bei der Präsentation sei "nicht viel passiert und das Wenige, auf das man sich dort verständigt hat, ist mittlerweile auch wieder zerredet worden in weiten Teilen."

Ohne wesentliche Änderungen im Bildungswesen werde man allerdings künftig nicht mehr genügend qualifizierte Pädagogen finden, warnte Kapsch unter Verweis auf eine Sonderauswertung des Arbeitsklima-Index durch das Meinungsforschungsinstitut SORA: Demnach sind Pädagogen zwar prinzipiell zufrieden mit ihrem Beruf, aber vielfach mit schwierigen und belastenden Arbeitsbedingungen konfrontiert, leiden vor allem unter psychischem Stress und Zeitdruck sowie an den Reformen in ihrem Bereich. Obwohl Lehrer älter sind als der Schnitt der Arbeitsbevölkerung, glaubt nur knapp jeder zweite von ihnen daran, dass er den Job bis zur regulären Pension machen kann; bei den Kindergartenpädagogen sind es vier von zehn. (APA, 10.5.2016)

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