"Foa in Oasch du Sau": Wie Österreicher shitstormen

10. Mai 2016, 11:07
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Der Einsatz von Dialekt und Umgangssprache erfolgt etwa, wenn Themen besonders leidenschaftlich diskutiert werden

Prinzipiell beteiligt sich der gemeine Österreicher eher selten an Shitstorms, vielmehr sudert er konstant im Hintergrund. Wie Unternehmen und andere Nutzer darauf reagieren sollen, wenn Österreichern dann doch mal der Geduldsfaden reißt, haben die PR-Experten Fabian Lebersorger (Grayling) und Ingrid Gogl (Datenwerk) auf der Internetmesse Republica analysiert. Sie denken, dass prinzipiell alle Bevölkerungsschichten in Umgangssprache oder Dialekt kommunizieren, es also kein auf eine bestimmte Nutzergruppe begrenztes Sprachverhalten darstellt.

Shitstorm gegen Heinisch-Hosek

Besonders tief verfallen Nutzer in den Dialekt, wenn sie über emotionale Themen diskutieren, die sie etwa überraschen. Als Beispiel nennen Gogl und Lebersorger die Debatte um die gegenderte Bundeshymne. Die Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) erlebte damals am eigenen Leib, wie es ist, von einem wütenden Onlinemob im Dialekt beschimpft zu werden. "Foa in Oasch du grüne Sau", warf ein Facebook-User der Sozialdemokratin an den Kopf. Aber auch gegen den türkischen Präsidenten Recep Erdogan hagelte es online Beschimpfungen wie "Fetzenschädel", gegen die Erdogan bislang juristisch übrigens noch nicht vorgegangen ist.

re:publica

Neben dem Thema Gender ist es auch der Veganismus, der Nutzer aufregt. Gogl und Lebersorger bringen hier als Beispiel einen Kommentar, der vorschlägt, einen wegen Veganismus vom Wehrdienst Freigestellten "in rosa Polyesterschlapfn Puffn putzen lassen". Auch hier sieht man: Das Thema regt den Nutzer offenbar sehr auf, sodass der Dialekt eine naheliegende Wahl ist.

Identitätsstiftend

Eine andere Variante für den Einsatz von Dialekt in Shitstorms ist, wenn Österreicher Identität zeigen oder sogar stiften wollen. Gogl hat beobachtet, dass in deutschen Foren Nutzer immer wieder Dialekt nutzen, um quasi andere Österreicher zu ihrer Unterstützung zu animieren. Das gilt auch innerhalb Österreichs, etwa wenn Steirer gegen Kärntner "bellen".

Authentisch bleiben

Wie sollen deutsche oder global tätige Unternehmen nun reagieren, wenn sie auf Dialekt treffen? Prinzipiell sollen sie den Dialekt als Einladung zum "Schmäh führen" begreifen, so die zwei PR-Spezialisten. Es handle sich oft mehr um "charmantes Sudern" als um tatsächliche Entrüstung. Wichtig sei dabei aber, authentisch zu bleiben. Österreichern machen Dialekt und Umgangssprache Spaß, sagt Lebersorger, der etwa das Dunkin Donuts Kombi-Angebot "Fix Zam" lobt. Allerdings müssen die Firmen authentisch bleiben. Denn wenn eine Sache tatsächlich einen Shitstorm auslösen kann, dann ist es wohl die schlechte Imitation des Österreichischen. (fsc, 10.5.2016)

  • Der Österreicher bevorzugt gemeinhin das "charmante Sudern"
    foto: dpa/ederer

    Der Österreicher bevorzugt gemeinhin das "charmante Sudern"

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