Neue Tricks der Autobauer zur Reduktion der CO2-Werte entlarvt

10. Mai 2016, 10:05
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Eine neue Untersuchung entlarvt Manipulationen der Autobauer. Allein beim Fahrwiderstand sind die Werte um sieben Prozent zu niedrig

Berlin/Wien – Die Abgaswerte der Autohersteller stehen neuerlich in der Kritik. Diesmal geht es um den CO2-Ausstoß, der von den Herstellern mit Tricks gesenkt wird, wie eine Untersuchung des International Council of Clean Transportation (ICCT) zeigt. Die Verkehrsexperten, die den VW-Dieselskandal aufgedeckt haben, kommen allein bei den Ausrollversuchen auf Abweichungen von sieben Prozent. Dabei wird der Fahrwiderstand von Autos gemessen – die Werte bestimmen, wie viel Energie ein Auto später im Labor aufbringen muss, und beeinflussen so Verbrauch und CO2-Ausstoß. Die unrealistisch niedrigen Emissionen erklären laut ICCT ein Drittel der alltäglichen Abweichung des CO2-Ausstoßes von den Laborbedingungen.

Nach ICCT-Angaben nutzen die Autohersteller Gesetzeslücken bei den Ausrollversuchen. "Da werden zum Beispiel Reifen übermäßig aufgepumpt, das Profil annähernd komplett abgerieben oder Reifen im Ofen gehärtet, damit sie weniger Rollwiderstand haben", so ICCT-Europa-Geschäftsführer Peter Mock. Das sei zwar nicht vorgesehen, aber auch nicht ausdrücklich verboten. "Diese Schlupflöcher werden voll ausgenutzt."

grafik: icct, sz

Die Experten konnten für 19 Automodelle aus den Jahren 2009 bis 2012 die offiziellen Widerstandswerte mit Alltagswerten vergleichen, die unabhängige Labors gemessen hatten. In allen 19 Fällen lag der tatsächliche Widerstand demnach über dem offiziellen Wert. Die niedrigste Abweichung wurde mit 0,7 Prozent bei einem Audi A5 eruiert, die höchste bei einem Peugeot 207 mit 14,5 Prozent. Neben der Umwelt wird mit den Tricks auch der Fiskus geschädigt, orientiert sich doch in Österreich die Normverbrauchsabgabe (NoVA) an den CO2-Werten.

Gesetzeslücken schließen

Anders als in den USA seien die offiziellen Daten zum Fahrwiderstand in der EU nicht öffentlich, kritisierten der ICCT. "Neben der Schaffung von mehr Transparenz ist es wichtig, dass in der EU in Zukunft Gesetzeslücken in den Fahrzeug-Testprozeduren geschlossen werden." Zudem seien regelmäßige nachträgliche Stichproben durch Behörden notwendig.

Messungen des ICCT hatten im vergangenen Jahr US-Behörden auf die Spur der Abgasmanipulation bei VW geführt. Dabei stand zunächst der Stickoxidausstoß im Mittelpunkt. Derzeit beschäftigen sich Experten im Auftrag des deutschen Verkehrsministeriums auch mit CO2-Werten. (red, 10.5.2015)

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    foto: apa/dpa-zentralbild/jan woitas
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