In Verviers ausgehobene Islamistenzelle hatte "Bomben-Chemikalien"

9. Mai 2016, 20:20
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Prozess gegen Jihadistengruppe mit Verbindungen zu Paris- und Brüssel-Attentätern

Brüssel – Eine Mitte Jänner 2015 in der ostbelgischen Stadt Verviers ausgehobene Jihadistenzelle hatte sich laut Justizangaben Chemikalien für Bomben verschafft. Die Chemikalien hätten ausgereicht, um vier Kilogramm TATP-Sprengstoff herzustellen, der auch bei den Anschlägen in Paris und Brüssel verwendet wurde, sagte Richter Pierre Hendrickx beim Prozessauftakt am Montag in Brüssel.

Auch Schusswaffen, Munition und Material für Polizeiuniformen seien bei der Razzia sichergestellt worden. Sieben mutmaßliche Jihadisten stehen vor Gericht, sie sollen Verbindungen zu den Terrorzellen der Anschläge in Paris und Brüssel haben. Gegen neun weitere flüchtige Verdächtige wurde in Abwesenheit verhandelt. Sie werden mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Anweisungen von Abaaoud

Das Netzwerk war bei einer Razzia zerschlagen worden. Mutmaßlicher Kopf der Gruppe war Abdelhamid Abaaoud, der wiederum als Drahtzieher der Pariser Anschläge gilt und der Verviers-Gruppe von Griechenland aus telefonisch Anweisungen gegeben haben soll – unter dem Decknamen "Omar". Abaaoud war kurz nach den Pariser Attentaten bei einem Polizeizugriff nahe Paris erschossen worden. Bei Anschlägen auf den Brüsseler Flughafen und eine U-Bahn wurden am 22. März dieses Jahres 32 Menschen getötet.

Zwei Tote bei Einsatz

Die Verviers-Zelle soll Anschläge auf Sicherheitskräfte geplant und dafür Anweisungen von der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) erhalten haben. Die Verdächtigen müssen sich unter anderem wegen versuchten Mordes und Mitgliedschaft oder Führungstätigkeit in einer Terrororganisation verantworten.

Hauptverdächtiger ist Marouane B., der bei der Razzia auf Polizisten geschossen hatte und sich wegen versuchten Mordes verantworten muss. Bei dem Einsatz waren zwei mutmaßliche Jihadisten getötet worden. B. weist die Vorwürfe zurück. Sein Mandant sei ein "kleiner Akteur" ohne jede Kenntnis von Anschlagsplänen gewesen, sagte sein Anwalt Sebastien Courtoy der Nachrichtenagentur Belga. (APA, 9.5.2016)

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