Mehrere tausend Albaner demonstrierten in Skopje

9. Mai 2016, 20:07
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Außerparlamentarische Parteien wollen in Suche nach Krisenlösung eingebunden werden

Skopje – Mehrere tausend Anhänger außerparlamentarischer albanischer Parteien haben am Montagabend im Stadtzentrum von Skopje demonstriert. Verlangt wurde unter anderem, dass auch die nicht im Parlament vertretenen albanischen Kräfte in die Suche nach einer Lösung für die anhaltende politische Krise eingebunden werden. Derzeit sind daran nur zwei albanische Parlamentsparteien, die DUI und DPA, beteiligt.

"Gerechtigkeit, Demokratie, Würde" und "Gegen den Staatsterror", hieß es unter anderem auf den von Demonstranten getragenen Spruchbändern. Der Protestmarsch durch das enge Stadtzentrum von Skopje fand unter starkem Polizeiaufgebot statt. Für Montagabend wurde auch ein erneuter Protest der slawischen Bürgerverbände "Protestiram" gegen die Politiker-Amnestie durch den Präsidenten Gjorge Ivanov einberufen.

Jahrestag in Kumanovo

Die Protestkundgebung der albanischen Opposition wurde zum ersten Jahrestag der bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen einer Gruppe bewaffneter Albaner und der Polizei im nordmazedonischen Kumanovo organisiert. Bei den zweitägigen Kämpfen waren damals acht Polizisten und 14 albanische Kämpfer ums Leben gekommen. Der Hintergrund der Auseinandersetzung blieb ungeklärt.

Seit Dezember läuft in Skopje ein Prozess gegen die damals festgenommene 29-köpfige Albanergruppe. Die Angeklagten gaben in ihren Aussagen vor Gericht zwar die Teilnahme an der Auseinandersetzung zu, bestritten jedoch den Vorwurf des Terrorismus.

Laut früheren Medienspekulationen dürfte die bewaffnete Auseinandersetzung gar von den Behörden provoziert worden sein, die, wie es hieß, dadurch die Aufmerksamkeit von politischen Affären ablenken wollten. Es ging dabei vor allem um die sogenannte Abhöraffäre. Gemäß dem oppositionellen Sozialdemokratischen Bund (SDSM) hatte die regierende nationalkonservative VMRO-DPMNE nämlich rund 20.000 Personen, darunter Politiker und Journalisten, gesetzwidrig abgehört. (APA, 9.5.2016)

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