Bures: "Österreich hat viele Lehren aus Vergangenheit gezogen"

9. Mai 2016, 14:22
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Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Parlament anlässlich des Jahrestags der Mauthausen-Befreiung

Wien – Österreich hat am Montag im historischen Sitzungssaal des Parlaments anlässlich des Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen eine Veranstaltung im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus abgehalten. Der 102-jährige Marko Feingold sprach dabei von den Zufällen, aufgrund derer er überlebt hatte. Sein Fazit: "Es gibt für mich nur die Demokratie."

Im Beisein von Bundespräsident Heinz Fischer und einem Großteil der Regierungsriege (der inzwischen zurückgetretene Kanzler Werner Faymann war nicht anwesend) erinnerte sich Feingold an die Deportation, die Erniedrigungen, den jahrelangen Hunger und die Krankheiten in der NS-Vernichtungsmaschinerie. "Ich will nicht von einem Wunder sprechen", sagte er zu seinem Überleben, "sonst hält man mich für einen Heiligen."

Das wichtigste im Leben sei die politische Einstellung und die Demokratie, betonte der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde in Salzburg. Er selbst sei alles andere als religiös, und mit Religion könne man auch keinen Staat führen.

"Viele Lehren gezogen"

Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) erinnerte daran, dass man sich im Parlament seit inzwischen fast 20 Jahren vor den Opfern verneige und die Erinnerung an sie hochhalte. "Ich glaube wir dürfen heute zu Recht sagen: Österreich hat viele Lehren aus der Vergangenheit gezogen", meinte sie. "Wir haben beschönigende Geschichtsmythen hinter uns gelassen, versteckte Winkel ausgeleuchtet, haben uns unserer Verantwortung gestellt."

Dennoch müsse man auf der Hut sein, wenn rechtsextreme, rassistische und antisemitische Aktivitäten in Österreich anstiegen und wenn unantastbar geglaubte Tabugrenzen überschritten würden. Sie erinnerte an die jüngsten Theater-Stürmungen der "Identitären" oder jenen "Aula"-Autor, der Mauthausen-Überlebende als Massenmörder bezeichnet hatte. Bundesratspräsident Josef Saller (ÖVP) sah das ähnlich. Das Verschanzen hinter der Rolle als erstes Opfer des Dritten Reiches sei glücklicherweise vorbei, Bildung und das Wissen auch um die dunklen Seiten der eigenen Vergangenheit das wichtigste, meinte er. (APA, 9.5.2016)

  • NS-Gedenkfeier im Parlament.
    foto: apa/fohringer

    NS-Gedenkfeier im Parlament.

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