Norbert Hofer und sein Kronzeuge Theodor Herzl

Kommentar9. Mai 2016, 14:22
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Möglicherweise zieht ein Burschenschafter in die Hofburg ein

Saufrituale, Männlichkeitskult, gegenseitige Körperverletzungen mit Hieb- und Stichwaffen und ein reaktionäres Weltbild: So gestaltet sich das Leben auf den Buden deutschnationaler Studentenverbindungen in Österreich, die der Schriftsteller Stefan Zweig einst spöttisch "Schmiss-Germanen" nannte. Ein Milieu, in dem sich der freiheitliche Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer tummelt und offensichtlich wohlfühlt.

Wird seine (Ehren-)Mitgliedschaft bei der Marko-Germania zu Pinkafeld thematisiert, ruft er – wie am Sonntag in einer Fernsehdiskussion – Theodor Herzl in den Zeugenstand. Der jüdische Intellektuelle und Wegbereiter des modernen Israel war schließlich ebenfalls bei einer schlagenden Verbindung in Wien aktiv. Warum also soll die Mitgliedschaft bei einer Burschenschaft verwerflich sein? Eine Antwort lieferte Herzl selbst, der sich von seiner Verbindung verabschiedete, weil er den Antisemitismus der "treudeutschen Akademiker" nicht mehr ertragen wollte. Dieses Ende der Liaison zwischen Herzl und seiner Burschenschaft erwähnte Hofer nicht.

Auch kam dem möglichen Bundespräsidenten nicht in den Sinn, jene Hardliner unter den Burschenschaften öffentlich zu ächten, die bei der Aufnahme neuer Mitglieder den sogenannten Arierparagrafen anwenden. Dieser Antisemitismus hat nichts in Österreich zu suchen, das sollte klar sein. (Markus Sulzbacher, 9.5.2016)

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