Arbeitsmarkt: Ausländer verdrängen Ausländer

9. Mai 2016, 13:49
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BIP-Anstieg von 1,5 Prozent erwartet. Aber auch die Arbeitslosigkeit soll von 9,1 auf 9,5 Prozent zunehmen

Wien – Die Öffnung des Arbeitsmarkts in der EU per Mai 2011 hat sich laut Bank Austria je nach Bundesland unterschiedlich positiv auf Österreich ausgewirkt. "Die Zuwanderung war sehr wichtig, weil sich auch Arbeitskräftemangel beseitigt hat, zum Beispiel in Vorarlberg", sagte Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl am Montag in einem Pressegespräch.

"Für den Arbeitsmarkt spielt die Konjunktur eine wesentliche Rolle – nicht der Zuzug oder die Öffnung des Arbeitsmarktes", betonte sein Kollege Stefan Bruckbauer. "Und dort, wo wir Verdrängung vermuten, trifft es hauptsächlich die ausländischen Arbeitnehmer." Die Öffnung des Ostens und der EU-Beitritt seien "grundsätzlich positiv für Österreich". So habe Österreich Deutschland betreffend Produktivität und Wirtschaftswachstum seit dem EU-Beitritt "spürbar outperformt". Zu den Verlierern der Globalisierung gehören hingegen schlecht oder gar nicht ausgebildete Arbeitskräfte, da Industrien in Länder mit billigeren Löhnen abwandern.

Kein Wachstum ohne Ausländer

Vorarlberg hätte sein Wirtschaftswachstum ohne ausländische Kräfte gar nicht erreichen können. Dort kam es laut Bank Austria "in keiner Branche zur Verdrängung inländischer Arbeitskräfte". In Wien wiederum, wo die Konjunktur nicht so gut war, war der Beschäftigungsanstieg nicht ausreichend, um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren.

In erster Linie führt die Arbeitsmarktöffnung den Angaben zufolge in Österreich jedenfalls zum Ersatz anderer Ausländer. "Das heißt, neue Ausländer verdrängen alte Ausländer", so Pudschedl. Das gelte vor allem für Branchen wie den Bau oder den Tourismus. Im Handel treffe die Verdrängung "eher inländische Kräfte".

Betreffend Arbeitslosigkeit sei auch die Herkunft der ausländischen Arbeitnehmer relevant. Personen aus Nicht-OECD-Ländern sei in höherer Gefahr, in die Arbeitslosigkeit zu rutschen. Das treffe in Österreich hauptsächlich auf Menschen aus Serbien und der Türkei zu sowie – in nicht so großer Zahl – auf Bulgaren und Rumänen.

Mehr Arbeitskräfte im Angebot

Seit 2011 stieg das Arbeitskräfteangebot in Österreich um fast 8 Prozent – das war ein Plus von 280.000 Personen. Überdurchschnittlich stark war der Zuwachs in den vergangenen fünf Jahren in den östlichen Bundesländern Wien (plus 10,5 Prozent) und Burgenland (plus 9,9 Prozent). Im Burgenland erhöhte sich die Anzahl der Arbeitslosen um über 30 Prozent.

Auch in den westlichen Bundesländern nahm das Arbeitskräfteangebot im selben Zeitraum überdurchschnittlich zu. Das war aber laut Bank Austria vergleichsweise stärker durch eine größere inländische Erwerbsbevölkerung beeinflusst.

Stärkeres Wachstum

Die Wirtschaft wird heuer der Bank Austria zufolge mit einem Plus von 1,5 Prozent stärker wachsen als im Vorjahr (0,9 Prozent) – und zwar in sämtlichen Bundesländern, allen voran in Oberösterreich (1,8 Prozent), Vorarlberg (1,7 Prozent) und der Steiermark (1,6 Prozent). "In Österreich ist die Stimmung schlechter als die eigentliche Lage", betonte Bruckbauer.

Die Konjunktur werde schwächer gesehen als sie tatsächlich ist. "Was die wirtschaftliche Entwicklung betrifft, haben wir eine besonders negative Stimmung – die Bevölkerung ist unzufrieden und verunsichert: man hat derzeit das Gefühl, dass der hohe Lebensstandard in Österreich nichts mit der Wirtschaft zu tun hat", wundert sich Bruckbauer bei einem Pressegespräch.

Die Stimmungslage schafft aber auch negative Fakten: sie wirkt sich auf die Investitionsfreudigkeit der Unternehmen aus. "Auf der Unternehmensseite ist auch die Steuerreform nicht glücklich gelaufen", meinte der Bank-Austria-Ökonom etwa unter Verweis auf die neue Registrierkassenpflicht und die unverändert hohe Regulierung. (APA, 9.5.2016)

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