Die Eisheiligen kommen, die Kälte in der Regel aber erst zehn Tage später

9. Mai 2016, 12:11
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ZAMG untersuchte Bauernregel

Wien – Die ZAMG hat eine der bekanntesten Bauernregeln meteorologisch überprüft – und zwar die Eisheiligen. Das Ergebnis: Die Eisheiligen bringen in Österreich sehr selten Frost. Aber in vielen Jahren finden markante Kaltlufteinbrüche rund zehn Tage nach den Eisheiligen statt. Heuer kühlt es bereits zu den Eisheiligen spürbar ab.

"Pankrazi, Servazi, Bonifazi sind drei frostige Bazi. Und zum Schluss fehlt nie die kalte Sophie." Die Eisheiligen, von 12. bis 15. Mai, gehören zu den Klassikern unter den Bauernregeln. In einigen Regionen zählt auch der Mamertus-Tag am 11. Mai dazu. Eine Untersuchung dieser Bauernregel mit meteorologischen Methoden bringt zwei Überraschungen, sagte Hildegard Kaufmann, Klimatologin an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). "Erstens: Die Eisheiligen bringen in den meisten bewohnten Regionen Österreichs nahezu nie Frost. Zweitens: Es gibt einen Zeitraum im Mai, in dem wir mit verblüffend hoher Wahrscheinlichkeit Kaltlufteinbrüche erleben, allerdings nicht zur Zeit der Eisheiligen", meinte Kaufmann.

Frost, also Temperaturen unter Null Grad, ist in Österreich in tiefen Lagen im gesamten Mai sehr selten. Egal ob man die Temperatur in zwei Meter Höhe oder direkt am Boden untersucht. "In den letzten zwanzig Jahren gab es in den meisten Landeshauptstädten ganz wenige Tage mit Bodenfrost," erklärte Kaufmann. Linz zum Beispiel hatte in den vergangenen 20 Jahren im Mai keinen einzigen Frosttag, Graz zwei, Salzburg und Bregenz vier, Eisenstadt sechs, Wien acht. Das ergibt eine durchschnittliche Zahl der Tage mit Bodenfrost im Mai pro Jahr zwischen 0,0 in Linz und 0,4 in Wien. Eine Spur höher sind die Werte in Klagenfurt mit 0,7 Frosttagen im Mai, in St. Pölten mit 1,0 und in Innsbruck mit 1,4.

Bodenfrost im Mai selten

Etwas häufiger ist Bodenfrost im Mai im Mühlviertel und im Waldviertel mit durchschnittlich rund drei Tagen pro Jahr sowie allgemein in höher gelegenen Tälern wie beispielsweise in Mürzzuschlag (ST, 705 Meter) und in Sillian (T, 1.081 Meter) mit rund vier Tagen mit Bodenfrost im Mai pro Jahr. "Man sieht, dass Bodenfrost selbst im gesamten Mai selten ist. Die Zahl der Frosttage genau zu den Eisheiligen ist daher verschwindend klein", fasste Hildegard Kaufmann zusammen.

Nimmt man die Eisheiligen aber nicht ganz so streng, kommt man zu einem interessanten Ergebnis. Kaufmann: "Betrachtet man den Verlauf der mittleren Tagestemperatur im Mai basierend auf den Daten der letzten 50 Jahre, dann erkennt man einen sehr markanten Temperatureinbruch. Der findet aber nicht zu den Eisheiligen, sondern zwischen 20. und 25. Mai statt, also zehn Tage später." Das würde gut damit zusammenpassen, dass im 16. Jahrhundert im Rahmen der Gregorianischen Kalenderreform zehn Tage ausgelassen wurden und sich dadurch die Eisheiligen im Kalender um etwa zehn Tage von ihrem meteorologischen Eintreffen entfernt haben.

Nicht so einfach zu klären ist die Frage, warum offensichtlich sehr regelmäßig Kaltlufteinbrüche zwischen 20. und 25. Mai stattfinden. Eine Erklärung ist, dass es sich um einen statistischen Zufall handelt, und die Temperaturkurve glatter wird, wenn in den nächsten Jahrzehnten mehr Daten dazukommen. Dagegen spricht, dass die vorhandenen Daten aus 50 Jahren bereits statistisch sehr aussagekräftig sind. "Möglicherweise haben unsere Vorfahren das Wetter sehr gut beobachtet und eine meteorologische Besonderheit entdeckt," meinte Kaufmann, "denn im Mai heizt sich der europäische Kontinent deutlich schneller auf als das umgebende Meer. An der Grenze der warmen und kalten Luftmassen entstehen Tiefdruckgebiete, die polare Kaltluft bis Mitteleuropa bringen können. Es ist gut möglich, dass aufgrund von konstanten Faktoren wie Sonnenstand und der Land-Meer-Verteilung dieser Mechanismus gehäuft zu Kaltlufteinbrüchen in der zweiten Maihälfte führt."

Heuer sind die Eisheiligen relativ pünktlich, wie auch schon in den vergangenen beiden Jahren. Bis Mittwoch ist es noch im Großteil Österreichs warm, mit Höchstwerten knapp über 20 Grad. Am Donnerstag bringt dann eine Kaltfront Regen, vereinzelte Gewitter und deutlich kühlere Luft. Die Höchsttemperaturen liegen am Donnerstag und Freitag zwischen 14 und 19 Grad. Im Laufe des Pfingstwochenendes dürfte das Wetter dann langsam wieder freundlicher werden. (APA, 9.5.2016)

  • Die Kälte kommt zurück.
    foto: norbert millauer/dapd

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