Platini hält es im Abgang mit Piaf

9. Mai 2016, 11:14
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Der europäische Fußball steht einen Monat vor der Kontinentalmeisterschaft in Frankreich ohne gewählten Präsidenten da. Michel Platini, dem das oberste Sportgericht nur zwei von sechs Jahren Sperre erspart, tritt ab

Lausanne – "Rien ne va plus", aber auch "Je ne regrette rien" – Michel Platini, vom Internationalen Sportgerichtshof Cas am Montag letztinstanzlich für vier Jahre gesperrt, trat als Präsident der europäischen Fußballunion (Uefa) zurück. "Ich nehme die Entscheidung des Cas zur Kenntnis, erachte sie allerdings als große Ungerechtigkeit", ließ der Franzose, der also wie Èdith Piaf nichts zu bereuen zu haben glaubt, ausrichten. Sein Schritt erfolge wie mit den nationalen Verbänden vereinbart, "um nun vor den Schweizer Gerichten den Kampf für Gerechtigkeit voranzutreiben". Die Dauer der Sanktion verhindert auch eine Kandidatur für die nächste Wahl zum Präsidenten des Fußballweltverbandes (Fifa). Die steigt – kommt dem neuen Amtsinhaber und ehemaligem Platini-Intimus Gianni Infantino nichts dazwischen – im Jahr 2020.

Österreichs Verbandspräsident Leo Windtner nannte Platinis Schritt konsequent, "um die zukünftige Weichenstellung der Uefa vorantreiben zu können". Er würdigte auch Platinis Verdienste um den europäischen Fußball.

Der Cas begründete sein Urteil mit der "fehlenden Legitimität" einer Millionenzahlung, die Platini 2011 von der Fifa und also deren damaligen Präsidenten Joseph Blatter angeblich für zurückliegende Dienste erhalten hatte. Blatter und Platini pochen auf einen mündlichen Vertrag aus der Zeit um die Jahrtausendwende, der die Zahlung legitimiere.

Die Fifa-Ethikkommission, die ursprünglich sogar eine achtjährige Sperre verhängt hatte, sah das anders – auch wenn für den Vorwurf der Bestechung und Korruption nicht genügend Beweise vorliegen. Die dann von den Weltverbandsethikern verhängte Sperre von sechs Jahren ist aber nach Ansicht des Cas zumindest einmal im Fall Platini "zu hart" gewesen – also zwei Jahre Rabatt.

An Platinis Situation ändert der nichts. Der einstige Weltstar, als Kapitän der Équipe Tricolore 1984 schon Europameister im eigenen Land, hatte vom präsidialen Triumphzug bei seiner zweiten Heim-EM (10. Juni bis 10. Juli) geträumt. Jetzt muss die Uefa flott einen Nachfolger für den nach neun Jahren aus dem Amt scheidenden Lothringer finden.

Vorsorglich war bereits mit einer Krisensitzung knapp drei Wochen vor Anpfiff der EM anlässlich des Europa-League-Finales zwischen dem FC Liverpool und dem FC Sevilla in Basel (18. Mai) geplant worden. "Das Exekutivkomitee wird weitere Schritte diskutieren, darunter auch die Ansetzung eines Wahlkongresses. In der Zwischenzeit wird es keinen Interimspräsidenten geben", teilte der Verband mit. Neuwahlen noch vor der EM gelten als unwahrscheinlich. Bis auf Weiteres wird der spanische Vize Ángel María Villar die Uefa führen. Der 66-Jährige ist keinesfalls über jeden Zweifel erhaben. (sid, red, 9.5.2016)

Platinis Stellungnahme im Wortlaut

"Ich nehme die Entscheidung des CAS zur Kenntnis, erachte sie allerdings als eine große Ungerechtigkeit. Diese Entscheidung verhindert es auch, bei der nächsten Wahl zum Präsidenten des Fußball-Weltverbandes Fifa anzutreten. Wie mit den nationalen Verbänden der Uefa vereinbart, trete ich vom Amt des Uefa-Präsidenten zurück, um nun vor den Schweizer Gerichten den Kampf um Gerechtigkeit voranzutreiben. Das Leben hatte für mich immer schöne Überraschungen parat. Nun habe ich die Zeit, diese zu erleben."

  • Ex-Präsident Michel Platini darf in den nächsten vier Jahren maximal ein Zaungast des Fußballs sein.
    foto: epa/coffrini

    Ex-Präsident Michel Platini darf in den nächsten vier Jahren maximal ein Zaungast des Fußballs sein.

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