Anonyme Bewerbungen: Chance auf gerechte Jobvergabe?

10. Mai 2016, 10:00
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Migranten haben es schwerer bei der Jobsuche als Österreicher – auch bei gleicher Vorbildung. Würden anonymisierte Bewerbungen entgegenwirken?

Haben Bewerberinnen und Bewerber mit ausländisch klingendem Namen und Aussehen schlechtere Chancen auf einen Job als Österreicher, die die gleiche Ausbildung abgeschlossen haben? Doris Weichselbaumer von der Uni Linz ist im Auftrag des Sozialministeriums der Frage nachgegangen und hat klare Antworten: Eine Nigerianerin muss sich doppelt so oft für eine Position als Personalverrechnerin oder als Assistenz der Buchhaltung bewerben, bis sie zu einem Vorstellungsgespräch kommt, wie eine Österreicherin. Etwas besser ergeht es Chinesen, Türken und Serben – am höchsten bleibt aber immer der Rücklauf für die Österreicher.

Um Diskriminierung – nicht nur nach Herkunft, sondern auch aufgrund von Alter und Geschlecht – bei der Jobvergabe zu vermeiden, ist es im angloamerikanischen Raum üblich, dass Lebensläufe kein Foto schmückt. Auch persönliche Details wie Familienstand und Religionsbekenntnis irritieren US-Personalverantwortliche eher, als dass sie zur Entscheidungsfindung beitragen.

Ohne Foto zu besseren Chancen?

Hat anonymisiertes Bewerben auch in Österreich Zukunft? Bei einer Fachtagung der Arbeiterkammer konnten einige Experten der Idee viel abgewinnen. Gernot Mitter, Experte für Arbeitsmarktpolitik in der Arbeiterkammer, kündigte an, dass für die Sommergespräche mit dem Sozialpartner bezüglich Migration und Integration das anonymisierte Bewerben fix auf seiner Agenda stehe.

Was meinen Sie? Könnten anonymisierte Lebensläufe Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Religion, Alter oder Geschlecht verhindern? Wie sähen solche anonymen Bewerbungen für Sie aus? (lhag, 10.5.2016)

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